Arbeitnehmern und Arbeitgebern droht in den kommenden Jahren ein massiver Anstieg der Sozialabgaben. Eine neue Studie des IGES Instituts im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft kommt zu dem Ergebnis, dass die Gesamtbelastung bis 2035 auf knapp 50 Prozent steigen könnte, berichtet Bild.
Ausgangspunkt der Berechnung sind 42,8 Prozent im Jahr 2026. Rechnerisch kommen damit auf 100 Euro Bruttolohn derzeit knapp 43 Euro Beiträge für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Die Kosten tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam.
Im mittleren Basisszenario steigt die Belastung laut Studie bereits 2028 auf 45,4 Prozent. Für 2035 werden 48,8 Prozent erwartet. Auf 100 Euro Bruttolohn würden dann knapp 49 Euro Sozialbeiträge entfallen.
Für einen Beschäftigten mit 3000 Euro Bruttogehalt bedeutet das rechnerisch 180 Euro zusätzliche Sozialbeiträge pro Monat. Auf das Jahr gerechnet wären es 2160 Euro mehr, jeweils Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteile zusammen.
Alexander Schweitzer (SPD) ist seit Mitte Oktober neuer Bundesarbeits- und Sozialminister. Auf ihn kommen nun die Debatten um steigende Sozialbeiträge und die Zukunft der Sozialversicherungen zu.
Anstieg kaum zu stoppen
Selbst die angekündigten Reformen bei Rente, Kranken- und Pflegeversicherung verhindern den Anstieg nach den Berechnungen nicht.
Ohne Kapitalrente kommt das IGES Institut für 2035 auf eine Beitragsbelastung von 47,5 Prozent. Mit einer Kapitalrente wären es sogar 49,3 Prozent.
Bei einem Monatsbrutto von 3000 Euro entspräche das trotz Reformen einer zusätzlichen Belastung von rechnerisch 141 bis 195 Euro im Monat.
Für die geplante Kapitalrente sollen ab 2028 schrittweise zwei zusätzliche Beitragspunkte in einen Kapitalstock fließen, der später die Rentenfinanzen stabilisieren soll. Eine spürbare Entlastung daraus erwarten die Forscher allerdings erst nach 2035.
Das geplante Gesetz zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge ist in den Berechnungen des Basisszenarios bereits berücksichtigt.
Prognose ist „ein Alarmsignal“
Wie hoch die Belastung am Ende tatsächlich ausfällt, hängt stark von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Für 2035 reicht die Spannweite der Studie von 46,6 bis 51,6 Prozent.
INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben warnt in Bild: „Die neue Prognose für die Sozialbeiträge ist ein Alarmsignal.“
Weiter sagt er: „Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber 2035 zusammen fast die Hälfte des Bruttolohns an die Sozialversicherung abführen, wird Arbeit in Deutschland noch teurer, und netto bleibt noch weniger übrig.“
Rentenbeitrag steigt auf 20,9 Prozent

Besonders die Rentenversicherung wird deutlich teurer. Der Beitrag soll nach der Modellrechnung von derzeit 18,6 Prozent auf 20,9 Prozent im Jahr 2035 steigen.
Grund dafür ist die demografische Entwicklung: Immer mehr Rentner müssen von Beitragszahlern finanziert werden. Gleichzeitig sind die Rücklagen der Rentenkasse weitgehend aufgebraucht.
Auch bei den gesetzlichen Krankenkassen rechnen die Forscher nach einer vorübergehenden Entlastung wieder mit steigenden Kosten. Ab 2031 sollen die Ausgaben erneut stärker wachsen.
Der Krankenversicherungsbeitrag könnte dadurch von derzeit 17,7 Prozent auf 18,8 Prozent im Jahr 2035 steigen.
Millionen zusätzliche Pflegebedürftige
Auch die Pflegeversicherung steht unter wachsendem Druck. Die Zahl der Pflegebedürftigen könnte laut Studie von 5,9 Millionen im Jahr 2025 auf 8,3 Millionen im Jahr 2035 steigen.
Das wären innerhalb von zehn Jahren 2,4 Millionen zusätzliche Pflegebedürftige.
Die geplante Pflegereform kann die steigenden Kosten nach Einschätzung der Forscher zwar bremsen, die Finanzierungslücke aber nicht vollständig schließen.
Den stärksten prozentualen Anstieg erwartet die Studie bei der Arbeitslosenversicherung. Ihr Beitrag könnte von derzeit 2,6 Prozent auf 4,4 Prozent steigen.
Als Gründe nennen die Forscher schwache Aussichten für den Arbeitsmarkt und die Schulden der Bundesagentur für Arbeit. Rund zehn Milliarden Euro müssten in der Modellrechnung durch höhere Beiträge wieder abgebaut werden.
https://nius.de/politik/sozialbeitraege-50-prozent-trotz-reformen
