8. November 2026

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Schon vor Corona: Pentagon und Faucis NIAID finanzierten spätere Covid-Pille!

 

Warum finanzierte ausgerechnet das amerikanische Verteidigungsministerium schon Jahre vor Corona einen Wirkstoff, der später als Covid-Medikament vermarktet wurde? Und weshalb steckte auch die von Anthony Fauci geleitete Gesundheitsbehörde Millionen in dessen Entwicklung? Die Spur führt zu militärischer Biowaffenabwehr, führenden Coronavirus-Forschern und einem milliardenschweren Pharmageschäft. Neue Regierungsunterlagen rücken diese Verbindungen erneut ins Blickfeld.

Die Geschichte der Corona-Pille Molnupiravir beginnt bei einem Virus, das bereits während des Kalten Krieges als mögliche biologische Waffe untersucht wurde. An der amerikanischen Emory University forschten Wissenschaftler um George Painter seit 2013 an einem Medikament gegen das Virus der venezolanischen Pferdeenzephalitis (VEEV). Das Pentagon hatte großes Interesse an solchen Wirkstoffen. Denn das Virus kann in Form eines Aerosols verbreitet werden und schwere neurologische Erkrankungen auslösen.

Der Auftrag kam von der Defense Threat Reduction Agency (DTRA), einer Behörde des amerikanischen Verteidigungsministeriums, die sich unter anderem mit der Abwehr biologischer und chemischer Waffen beschäftigt. Wie Painter in einer Stellungnahme vom August 2026 erklärte, sollte ein Medikament entwickelt werden, das nach einer entsprechenden Infektion möglichst schnell wirkt und einfach eingenommen werden kann. Im Jahr 2016 bewilligte die DTRA dafür einen weiteren Forschungsvertrag über 9,7 Millionen Dollar.

Von der Biowaffenabwehr zur Corona-Forschung

Bereits 2018 hatten die Wissenschaftler mit EIDD-2801 einen vielversprechenden Wirkstoffkandidaten gefunden. Ursprünglich sollte er gegen bestimmte Enzephalitisviren eingesetzt werden. Bei weiteren Untersuchungen stellte sich allerdings heraus, dass die Substanz auch gegen andere RNA-Viren wirkte. Darunter befanden sich die Coronaviren SARS und MERS, die schon vor Covid-19 größere Krankheitsausbrüche verursacht hatten. Diese Entwicklung schilderte George Painter selbst am 5. August 2026 in einem Beitrag der Emory University. Demnach war das Präparat Ende 2019 bereits so weit entwickelt, dass die Wissenschaftler einen Antrag für erste klinische Untersuchungen bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA vorbereitet hatten. Die ursprüngliche Zielsetzung blieb damals die Behandlung und Vorbeugung von VEEV-Infektionen.

Inzwischen hatte sich jedoch ein weiterer staatlicher Geldgeber eingeschaltet. Am 23. Oktober 2019 gab die Emory University bekannt, dass das National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) einen Forschungsvertrag über 15,89 Millionen Dollar vergeben hatte. An der Spitze der Behörde stand Anthony Fauci, der während der späteren Corona-Pandemie zu einem der wichtigsten medizinischen Regierungsberater aufstieg. Offiziell ging es bei diesem Auftrag um die Weiterentwicklung von EIDD-2801 gegen Influenza. Die Wissenschaftler sollten untersuchen, ob sich der Wirkstoff auch zur Behandlung von Grippeinfektionen eignet. Der Vertrag sah entsprechende Sicherheits- und Wirksamkeitsuntersuchungen am Menschen vor.

Das Pentagon finanzierte also Forschungen zur Abwehr potenzieller Biowaffen, Faucis Behörde unterstützte die Entwicklung eines Grippemedikaments. Zugleich beschäftigten sich die beteiligten Wissenschaftler bereits intensiv mit der Wirkung gegen Coronaviren. Diese drei Forschungsbereiche liefen schon vor dem Auftreten von SARS-CoV-2 zusammen.

Coronavirus-Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse bereits 2019

Das lässt sich sogar anhand einer wissenschaftlichen Veröffentlichung nachvollziehen. Am 2. Oktober 2019 erschien online eine Studie im Journal of Virology, die später in der Dezember-Ausgabe veröffentlicht wurde. Untersucht wurde N4-Hydroxycytidin, die aktive Wirkstoffgrundlage des späteren Molnupiravir. Die Forscher berichteten über eine antivirale Wirkung gegen Coronaviren, darunter MERS. Unter den Autoren befanden sich George Painter sowie die bekannten Coronavirus-Forscher Ralph Baric von der University of North Carolina und Mark Denison von der Vanderbilt University. Das Forschungsteam beschäftigte sich also bereits Monate vor der offiziellen Entdeckung von SARS-CoV-2 mit einem Wirkstoff, der später gegen genau diesen Erreger eingesetzt werden sollte.

Dabei stellt sich durchaus die Frage, welche Informationen zwischen den beteiligten Universitäten und Regierungsbehörden ausgetauscht wurden. Schließlich waren die Entwicklung eines breit einsetzbaren antiviralen Medikaments und dessen mögliche Anwendung gegen gefährliche Coronaviren bereits damals Teil der Forschung. Die bekannten SARS- und MERS-Ausbrüche lieferten dafür einen Anlass. Der Ausbruch von SARS-CoV-2 brachte dann den passenden Massenmarkt.

Auch hohe Regierungsbeamte beschäftigten sich mit dem Medikament

In Washington war das Projekt bereits im November 2019 Gegenstand hochrangiger Gespräche. Entwickler George Painter traf sich mit Vertretern der amerikanischen Gesundheitsverwaltung, darunter Robert Kadlec und Rick Bright. Bright leitete damals die Behörde für biomedizinische Forschung und Entwicklung (BARDA). Bei dem Treffen ging es um zusätzliche Fördergelder. Bright hatte allerdings erhebliche Bedenken wegen der damals noch unzureichenden Sicherheitsdaten des Wirkstoffs. In einer späteren Whistleblower-Beschwerde warf er seinem Vorgesetzten Kadlec vor, das Forschungsprojekt auf ungewöhnlichem Weg finanziell unterstützen zu wollen. Kadlec und die Behördenleitung bestritten die Vorwürfe. Die zusätzlich beantragten BARDA-Mittel wurden schließlich nicht bewilligt.

Der entscheidende Wechsel erfolgte Anfang 2020. Wie George Painter in seinem Rückblick vom August 2026 erklärte, nahmen bereits im Januar die FDA und das NIAID Kontakt mit seinem Forschungsteam auf. Gemeinsam sollten weitere Untersuchungen gegen das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 ermöglicht werden. Der Erreger war zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt, die Weltgesundheitsorganisation erklärte Covid-19 jedoch erst am 11. März zur Pandemie. Das zuvor über Jahre entwickelte Medikament konnte damit rasch für eine neue Krankheit untersucht werden. Im März 2020 schloss die Emory University eine Entwicklungsvereinbarung mit Ridgeback Biotherapeutics, zwei Monate später kam der Pharmariese Merck hinzu.

Neue Unterlagen werfen weitere Fragen auf

Am 4. November 2026 veröffentlichte die Transparenzorganisation U.S. Right to Know weitere 831 Seiten freigegebener Regierungsunterlagen des amerikanischen Energieministeriums. Der investigative Journalist Jon Fleetwood berichtete tags darauf, dass darin Ralph Baric und Mark Denison als Unterauftragnehmer in einem staatlich finanzierten Forschungsprogramm im Zusammenhang mit Molnupiravir auftauchen sollen. Ihre wissenschaftliche Beteiligung war bereits seit 2019 bekannt. Die neuen Unterlagen könnten nun zusätzliche Informationen darüber liefern, wie die Forschungsaufträge finanziert und zwischen den beteiligten Institutionen aufgeteilt wurden. Insbesondere die Verträge, Abrechnungen und internen Mitteilungen wären dafür von Interesse.

Die frühere Forschung an SARS und MERS erklärt zwar, weshalb Wissenschaftler schon vor 2020 nach geeigneten Coronavirus-Medikamenten suchten. Die finanzielle Verflechtung zwischen militärischen Auftraggebern, Gesundheitsbehörden und späteren kommerziellen Partnern verdient dennoch Aufmerksamkeit. Vor allem deshalb, weil die amerikanischen Steuerzahler später erneut tief in die Tasche greifen mussten.

Erst Forschungsgelder, dann Milliarden für das fertige Medikament

Nach dem Beginn der Pandemie wurde aus EIDD-2801 das Covid-Medikament Molnupiravir, das Merck unter dem Handelsnamen Lagevrio vermarktete. Im Dezember 2021 erteilte die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA eine Notfallzulassung für bestimmte erwachsene Covid-Patienten. Zu diesem Zeitpunkt hatte die amerikanische Regierung bereits einen milliardenschweren Einkaufsvertrag abgeschlossen. Insgesamt bestellte Washington rund 3,1 Millionen Behandlungskuren für etwa 2,2 Milliarden Dollar. Das entspricht ungefähr 710 Dollar pro Behandlung.

Noch interessanter ist ein Detail aus Mercks eigener Mitteilung vom Februar 2022. Demnach wurde die staatliche Beschaffung nicht nur durch das amerikanische Gesundheitsministerium beziehungsweise dessen BARDA-Behörde unterstützt, sondern auch in Zusammenarbeit mit einem Beschaffungsprogramm des Verteidigungsministeriums für chemische, biologische, radiologische und nukleare Abwehr. Das Pentagon taucht damit an zwei Stellen der Entwicklungsgeschichte auf: zunächst bei der Finanzierung der frühen Wirkstoffforschung und Jahre später bei der staatlichen Beschaffung des fertigen Medikaments. Nach Angaben von Merck waren im Februar 2022 sämtliche 3,1 Millionen bestellten Behandlungskuren ausgeliefert.

Für den Pharmakonzern wurde Lagevrio zum Milliardengeschäft. Allein 2022 erzielte Merck mit dem Medikament weltweit einen Umsatz von 5,684 Milliarden Dollar. Laut den offiziellen Börsenunterlagen hatten Merck und Ridgeback vereinbart, die Gewinne ihrer Zusammenarbeit nach Abzug der entsprechenden Kosten zu gleichen Teilen aufzuteilen.

Milliardenumsätze – doch der medizinische Nutzen blieb umstritten

Für die staatlichen Käufer verlief die Geschichte weniger erfreulich. Im Februar 2023 empfahl die Europäische Arzneimittelagentur EMA, Lagevrio keine reguläre Zulassung zu erteilen. Die vorgelegten Daten konnten aus Sicht der Behörde keinen ausreichenden klinischen Nutzen belegen. Im Juni zog Merck seinen Zulassungsantrag zurück. Report24 berichtete damals bereits über die Beschaffung und Anwendung des Präparats in Deutschland und Österreich.

Eine Cochrane-Auswertung vom Oktober 2025 mit elf klinischen Studien und insgesamt 31.272 Teilnehmern kam zu ernüchternden Ergebnissen. Bei ambulanten Covid-Patienten führte Molnupiravir wahrscheinlich nur zu einem geringen bis keinem klinisch bedeutsamen Unterschied bei der Sterblichkeit. Die berechnete absolute Verringerung lag bei neun Todesfällen je 10.000 Behandelte. Auch der nachgewiesene Nutzen hinsichtlich Krankenhauseinweisungen und Krankheitsdauer blieb gering oder unsicher. Andere Auswertungen fanden bei bestimmten Risikogruppen zwar günstigere Ergebnisse, doch die Kritik an den damaligen milliardenschweren Beschaffungsentscheidungen bleibt weiterhin ein Thema.

Auch die Wirkungsweise des Medikaments sorgte für Diskussionen. Molnupiravir löst bei der Vermehrung von RNA-Viren Fehler in deren Erbgut aus. Eine 2023 veröffentlichte Untersuchung in Nature fand entsprechende Mutationsmuster bei SARS-CoV-2 und Hinweise auf die Weiterübertragung einzelner veränderter Viruslinien. Ein Nachweis, dass dadurch gefährlichere Varianten entstanden seien, wurde nicht erbracht. Report24 berichtete bereits im Oktober 2023 über diese Forschung.

Inzwischen ist der große Geldregen vorbei. Laut Mercks jüngstem Börsenbericht sank der weltweite Lagevrio-Umsatz in den ersten neun Monaten 2026 auf nur noch 49 Millionen Dollar. Im Vergleichszeitraum 2025 waren es 323 Millionen Dollar gewesen, ein Einbruch um rund 85 Prozent. Merck führt den Rückgang vor allem auf die geringere Nachfrage in Japan und den USA zurück. Auch die rechtliche Grundlage der amerikanischen Notfallzulassung soll nach einer Ankündigung des Gesundheitsministeriums zum 29. Juni 2027 auslaufen.

 

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