Die diplomatischen Kontakte zwischen Iran und den USA drehten sich nach Darstellung von Pepe Escobar und Mr. Z um die Reihenfolge möglicher Schritte: Teheran wolle zunächst vertrauensbildende Massnahmen sehen und erst später über das Atomdossier sprechen. Beide betonten, dass ein Durchbruch keineswegs sicher sei. Die Aussagen im Gespräch über geheime Kontakte, militärische Unterstützung und einen möglichen Angriff sind nicht unabhängig bestätigt.
Vermittlung und Treffen in Teheran
Escobar sagte, es habe in den Tagen vor der Aufzeichnung einen intensiven Austausch zwischen Iran und Vermittlern aus Katar gegeben. Katarische Vertreter seien am Freitag in Teheran gewesen; für Samstag seien weitere Gespräche in Doha vorgesehen gewesen. Die Vermittlung laufe sichtbar über Katar und werde nach seinen Angaben mit den USA koordiniert. An einem zwischen den Seiten zirkulierenden Entwurf würden Änderungen vorgenommen. Die Vermittler hofften demnach auf eine weitgehend ausgearbeitete Fassung nach den Gesprächen des Wochenendes.
Ausgangspunkt der jüngsten Gesprächsrunde sei ein Treffen in Teheran gewesen, das Escobar als «Tehran summit» bezeichnete. Delegationen aus Pakistan, Saudi-Arabien und der Türkei hätten dort über die Sicherheitslage in Westasien gesprochen. Escobar nannte unter anderem den saudischen Verteidigungsminister Prinz Khalid und den pakistanischen Feldmarschall Asim Munir. Im Zentrum habe die Vorstellung einer «Unteilbarkeit der Sicherheit» gestanden: Die Sicherheitsinteressen der beteiligten Staaten müssten gemeinsam berücksichtigt werden. Andernfalls werde sich die Lage nach Escobars Einschätzung weiter verschlechtern.
Escobar berichtete zudem von einem anschliessenden vertraulichen Treffen zwischen dem iranischen Politiker Mohsen Rezaei und dem iranischen Führer Mojtaba Khamenei. Rezaei habe danach gegenüber iranischen Medien von guten Möglichkeiten gesprochen. Bei dem Gespräch mit Khamenei seien nach Escobars Darstellung auch nicht öffentlich bekannte Einzelheiten der Beratungen zur Sprache gekommen.
Islamabad-Memorandum und Reihenfolge der Verhandlungen
Mr. Z ergänzte, das Treffen in Teheran sei auf eine Initiative Asim Munirs zurückgegangen. Dieser habe zuvor mit Rezaei über die Zusammenkunft gesprochen; die iranische Führung habe dem Vorhaben zugestimmt. Mr. Z sagte, neben Munir und Rezaei sei auch Mohsin Naqvi dabei gewesen, den er als zivilen, Munir nahestehenden Vertrauten beschrieb. Nach der gemeinsamen Sitzung habe es eine private Audienz für Munir und Naqvi gegeben.
Aus diesem Austausch sei laut Mr. Z der Entscheid hervorgegangen, Pakistan solle die eigentliche Vermittlung übernehmen. Katar sei zwar öffentlich stark präsent, die tatsächlichen Gespräche liefen aber über Munir und Rezaei – mit Rückendeckung und klarer Anleitung der iranischen Führung. Mr. Z erklärte, diese Darstellung stütze sich auf Informationen von Personen, die Rezaei nahestünden.
Entscheidend sei aus iranischer Sicht das sogenannte Islamabad-Memorandum beziehungsweise eine entsprechende Vereinbarung. Mr. Z sagte, unabhängig davon, wie sich die Gespräche entwickelten, müsse man darauf zurückkommen. Das Atomdossier solle erst am Ende behandelt werden, nachdem zunächst vertrauensbildende Schritte erfolgt seien. Escobar beschrieb den Konflikt ebenfalls als Streit über die Reihenfolge, nicht über die Themen: Washington wolle mit den Nuklearfragen beginnen, während Teheran zunächst andere Punkte geregelt sehen wolle.
Geld, Sanktionen und Seeblockade
Escobar zufolge erwartete Iran am Samstag eine formelle Antwort auf einen Brief, den J.D. Vance an Rezaei geschickt habe. Rezaei habe den Brief der iranischen Führung vorgelegt. Als zentrale iranische Forderungen nannte Escobar die Rückgabe eingefrorener Gelder und die Aufhebung der Seeblockade. Zunächst gehe es dabei um 6 Milliarden Dollar; Escobar erwähnte daneben Beträge von 12 und 24 Milliarden Dollar, stellte aber klar, dass die erste Tranche von 6 Milliarden im Vordergrund stehe.
Auch Mr. Z sagte, die iranische Antwort laute, man sei zu Gesprächen bereit, benötige aber zuerst vertrauensbildende Massnahmen. Zwei Punkte seien dabei besonders wichtig: die Rückgabe des Geldes und das Ende der Seeblockade. Escobar ergänzte, Iran verlange ausserdem ein Ende der Ölexportsanktionen. Die Nuklearfragen sollten erst danach auf den Tisch kommen.
Als mögliche Zwischenlösung nannte Escobar eine parallele Umsetzung: Inspektoren der Vereinten Nationen oder der Internationalen Atomenergie-Organisation könnten zu bombardierten Anlagen zurückkehren, während zugleich Sanktionserleichterungen vorankämen. In einem solchen Szenario könnte die Strasse von Hormus innerhalb von sieben Tagen wieder geöffnet werden, sagte er. Er verwies auf frühere Äusserungen des iranischen Aussenministers Abbas Araqchi und Rezaeis, wonach es möglicherweise auch schneller gehen könnte – etwa in vier Tagen. Für Iran reiche das allein jedoch nicht; auch die übrigen Forderungen müssten parallel vorankommen.
Escobar sprach zudem von sieben iranischen Bedingungen. Dazu zähle ein Ende sämtlicher Kriege, wobei er Gaza, Libanon, Jemen, Irak und Iran aufzählte. Trotz der diplomatischen Bemühungen sei eine Verständigung seiner Einschätzung nach noch weit entfernt.
Warnungen vor einer Eskalation
Pepe Escobar und Mr. Z richteten den Blick auf die für Dienstag angekündigten Zwischenwahlen in den USA. Escobar sagte, unabhängig vom Ergebnis sei ein US-Angriff auf Iran möglich. Die Optionen seien in den Tagen zuvor mit dem Chef des US-Regionalkommandos CENTCOM geprüft worden, behauptete er. Ein solcher Angriff würde den diplomatischen Prozess sofort zum Einsturz bringen und könnte katastrophale Folgen haben.
Escobar sagte, die Golfstaaten seien wegen der Aussicht auf weitere Angriffe beunruhigt und drängten auf Deeskalation. Saudi-Arabien und die Türkei hätten am Rande eines G20-Treffens der Aussenminister in Atlanta den russischen Aussenminister Sergej Lawrow angesprochen. Sie hätten ihn demnach gebeten, aufgrund der strategischen Partnerschaft Russlands mit Iran auf eine Deeskalation hinzuwirken. Escobar vermutete, Lawrow habe auf Irans souveräne Entscheidungsfreiheit verwiesen.
Zugleich gebe es Gerüchte aus dem Umfeld des Weissen Hauses, wonach bald eine Einigung erzielt werden könnte. Escobar hielt dem entgegen, dass vieles vom Verlauf des Wochenendes und von den politischen Entwicklungen nach den Zwischenwahlen abhänge. Auch die Möglichkeit eines persönlichen Treffens zwischen Vance und Rezaei in Doha erwähnte er, jedoch ausdrücklich als nicht bestätigte Möglichkeit.
Behauptungen über Russland und den Brief
Mr. Z brachte eine weitere, nach eigener Darstellung vertrauliche Information vor: In den vorangegangenen 48 Stunden hätten direkte Konsultationen zwischen Wladimir Putin und der iranischen Führung stattgefunden. Russland habe Iran daraufhin bedeutendes Material sowie technische Unterstützung durch Personal zukommen lassen. Mr. Z sagte, er habe diese Information dreimal überprüft; eine Bestätigung in Moskau dürfte jedoch schwierig sein. Er berichtete weiter, bei den Gesprächen sei auch die Möglichkeit eines grossen Angriffs auf Iran erörtert worden. Die iranische Führung habe demnach an ihrer Position festgehalten und signalisiert, sie sei auf einen Angriff vorbereitet.
Die Gesprächspartner erörterten auch, wer den Brief an Rezaei verfasst habe. Mr. Z sagte, nach einer Einschätzung des iranischen Nachrichtendienstes habe Trump den Brief geschrieben, Vance aber als Unterzeichner vorgeschickt. Beide kennzeichneten dies ausdrücklich als iranische Einschätzung, nicht als bestätigte Tatsache. Escobar sagte, die iranische Seite habe den Brief aufmerksam gelesen und auf dessen Nuancen reagiert.
Zum Schluss verwiesen Escobar und Mr. Z erneut auf die iranischen Forderungen nach Rückgabe des Geldes und Aufhebung der Seeblockade sowie auf die Forderung, das Atomdossier erst nach vertrauensbildenden Schritten zu behandeln. Der diplomatische Prozess laufe weiter, sagten sie; ob er Bestand habe, hänge nach ihrer Einschätzung wesentlich davon ab, was in den kommenden Tagen geschehe.
