28. Oktober 2026

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Banken warnen vor Cyber-GAU – Brüssel baut trotzdem weiter an der digitalen Geldfalle

 

Hacker greifen auf Trading-Konten zu, die G7 bereiten sich auf großflächige Cyberangriffe vor und amerikanische Großbanken kämpfen mit eigenmächtig agierenden KI-Programmen. Die Gefahren für das internationale Finanzsystem wachsen. Ausgerechnet jetzt treiben die Eurokraten den digitalen Euro und weitere Bargeldbeschränkungen voran. Dabei haben sie sogar gesetzlich vorgesorgt, falls die elektronischen Zahlungsmittel großflächig ausfallen.

Rund acht Milliarden Yen (mehr als 45,5 Millionen Euro) Lösegeld forderten Cyberkriminelle vom japanischen Internetkonzern GMO. Die Hacker hatten dessen Cloud-Infrastruktur geknackt, Kundendaten gestohlen und damit offenbar auch den Zugang zu fremden Handelskonten ermöglicht. Betroffene meldeten Transaktionen, die sie nicht selbst in Auftrag gegeben hatten. Anschließend drohten die Täter damit, weitere Konten bei mehr als 70 japanischen und internationalen Finanzunternehmen zu manipulieren. GMO musste Systeme abschalten, kündigte Entschädigungen an und forderte sogar staatliche Maßnahmen zur aktiven Cyberabwehr. Am 27. Oktober veröffentlichten die Erpresser schließlich Daten, die sie als gestohlene Unternehmens- und Kundeninformationen ausgaben. Für einen Anbieter digitaler Infrastruktur ist ein solches Sicherheitsdesaster wahrlich keine gute Werbung.

Immer mehr KI-gesteuerte Cyberangriffe

Auch die Finanzminister und Zentralbankchefs der G7 bereiten sich auf größere Schwierigkeiten vor. Am 16. Oktober vereinbarten sie neue Krisenübungen, bei denen KI-gesteuerte Cyberangriffe auf Banken und wichtige Finanzdienstleister simuliert werden sollen. Bereits im April 2024 hatten 23 Finanzbehörden einen großflächigen Angriff auf die Finanzinfrastrukturen sämtlicher G7-Staaten durchgespielt. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnte zudem im September vor den wachsenden Fähigkeiten künstlicher Intelligenz, selbstständig Sicherheitslücken aufzuspüren und komplexe Angriffe durchzuführen. Hinzu kommt die Abhängigkeit vieler Banken von denselben großen Cloud-Anbietern. Fällt ein solcher Dienstleister aus, kann das gleich mehrere Finanzinstitute treffen. Der Kunde darf dann möglicherweise feststellen, dass ihm sein prall gefülltes Bankkonto herzlich wenig nützt, wenn er keinen Zugriff mehr darauf hat.

In den Vereinigten Staaten müssen sich die Banken inzwischen immer öfter gegen eigenmächtig handelnde KI-Agenten zur Wehr setzen. Wie Axios berichtet, greifen solche Programme mit den Zugangsdaten ihrer Nutzer auf Bankkonten zu und versuchen teilweise, selbstständig Aktionen durchzuführen. Institute wie JPMorgan Chase, Morgan Stanley und Bank of America schränken deshalb entsprechende Zugriffe ein. Offensichtlich haben die Banker wenig Freude daran, wenn digitale Assistenten ein allzu eigenwilliges Verständnis ihrer Aufträge entwickeln. So schnell kann aus dem Versprechen vom bequemen, automatisierten Banking ein veritables Sicherheitsproblem werden.

Brüssel setzt auf die weitere Digitalisierung des Geldes

Während sich die Finanzwelt gegen immer gefährlichere Cyberattacken wappnet, arbeiten die Brüsseler Eurokraten fleißig daran, die Bürger noch stärker von elektronischen Zahlungssystemen abhängig zu machen. Ab dem 10. Juli 2027 gilt EU-weit eine Obergrenze von 10.000 Euro für gewerbliche Barzahlungen. Die Mitgliedstaaten dürfen sogar strengere Limits festlegen. Begründet wird dies mit dem Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Dabei scheint man in Brüssel durchaus zu wissen, dass die digitalen Alternativen ihre Tücken haben. Denn in Artikel 80 Absatz 7 der entsprechenden EU-Verordnung ist ausdrücklich vorgesehen, dass die Mitgliedstaaten diese Bargeldbeschränkungen vorübergehend aussetzen dürfen, wenn andere Zahlungsmittel aufgrund höherer Gewalt landesweit ausfallen. Die Eurokraten beschränken also den Bargeldverkehr und schaffen vorsorglich eine Ausnahmeregelung für den Fall, dass die elektronischen Alternativen versagen. Auf eine solche Idee muss man auch erst einmal kommen.

Parallel dazu treibt die Europäische Zentralbank die Entwicklung des digitalen Euro voran. Zwar soll dieser nach offiziellen Angaben das Bargeld lediglich ergänzen, doch angesichts der fortschreitenden Einschränkungen des Bargeldverkehrs darf man solche Zusicherungen durchaus kritisch betrachten. Immerhin soll die digitale Zentralbankwährung sogar eine Offline-Funktion erhalten, damit Zahlungen ohne Internetverbindung möglich bleiben. Dafür braucht man allerdings geeignete elektronische Geräte und entsprechend aufgeladenes digitales Guthaben. Ein Geldschein ist da deutlich unkomplizierter. Er funktioniert auch bei Stromausfällen, Cyberattacken und technischen Störungen. Und man braucht dafür weder ein Smartphone noch die Genehmigung eines Zahlungsdienstleisters.

Ein großflächiger Cyberangriff auf das Finanzsystem könnte auch politisch ausgenutzt werden. Millionen gesperrte Bankkonten und ein zusammengebrochener Zahlungsverkehr wären schließlich eine ausgezeichnete Gelegenheit, zusätzliche Identitätskontrollen und staatliche Eingriffe als unverzichtbare Sicherheitsmaßnahmen zu verkaufen. Die zunehmende Abhängigkeit von digitalen Zahlungssystemen könnte damit ausgerechnet als Rechtfertigung für noch mehr Kontrolle dienen. Sollte das digitale Finanzsystem eines Tages tatsächlich zusammenbrechen, dürften sich viele Bürger an die Vorzüge einer ziemlich alten Erfindung erinnern: Bargeld. Denn ein Bündel Geldscheine in der Brieftasche ist dann deutlich nützlicher als ein Bankkonto mit sechsstelliger Summe, an dessen Guthaben man nicht mehr herankommt.

 

Banken warnen vor Cyber-GAU – Brüssel baut trotzdem weiter an der digitalen Geldfalle