30. Oktober 2026

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Macron, Hollande und Co.: Pierre de Gaulle legt das transatlantische Netzwerk hinter Frankreichs Führung offen

 

Pierre de Gaulle, Enkel des früheren französischen Präsidenten Charles de Gaulle, stellt eine unbequeme Frage: Warum wird in Europa ständig über russische Einflussnahme gesprochen, während enge transatlantische Netzwerke innerhalb der eigenen politischen Elite kaum thematisiert werden? In einem Interview verweist er auf das Young-Leaders-Programm der French-American Foundation – ein exklusives Netzwerk, aus dem tatsächlich zahlreiche französische Spitzenpolitiker hervorgegangen sind. Seine weitergehende Behauptung, das Programm werde von der CIA gefördert, lässt sich allerdings nicht belegen. Die dokumentierte politische Reichweite des Netzwerks ist auch ohne diese Zuspitzung bemerkenswert.

„Ich muss lachen, wenn von russischer Einmischung gesprochen wird“, sagt Pierre de Gaulle. Die Debatte komme den politischen Eliten gelegen, weil sie „den Dialog vermeidet, die echte Diskussion verhindert und die Wahrheit den Franzosen vorenthält“. Anschließend richtet er den Blick auf das Young-Leaders-Programm der French-American Foundation. Dieses Netzwerk ist keineswegs geheim. Die Stiftung beschreibt es selbst als hochselektives zweijähriges Programm für aufstrebende Führungskräfte aus Frankreich und den Vereinigten Staaten. Seit 1981 werden Politiker, Beamte, Unternehmer, Banker, Militärs, Journalisten und Wissenschaftler miteinander vernetzt, um persönliche Beziehungen aufzubauen und die französisch-amerikanische Zusammenarbeit zu vertiefen. Nach Abschluss des Programms bleiben die Teilnehmer Teil eines dauerhaften Alumni-Netzwerks. French-American Foundation – Young Leaders Program

Ein Blick auf die offiziellen Teilnehmerlisten zeigt, wie weit dieses Netzwerk in die politische Führung hineinreicht. Emmanuel Macron nahm 2012 teil, François Hollande bereits 1996, der frühere Premierminister Édouard Philippe 2011, Valérie Pécresse 2002 und Arnaud Montebourg 2000. Auf amerikanischer Seite finden sich bekannte Namen aus Politik, Diplomatie und Sicherheitsapparat. Die Stiftung selbst spricht in einem von ihr veröffentlichten Forbes-Beitrag sogar von einem Ort des Austauschs der „transatlantischen Elite“. Sie erklärt offen, dass das Programm gezielt Personen auswählt, die später einflussreiche Positionen erreichen sollen, und dass daraus langfristige Beziehungen zwischen Entscheidungsträgern beider Länder entstehen sollen. French-American Foundation France – Young Leaders · French-American Foundation / Forbes – „A Place of Exchange for the Transatlantic Elite“

Genau hier liegt der stärkste Punkt in de Gaulles Kritik. Einfluss muss nicht zwangsläufig über Geheimoperationen, Wahlmanipulation oder Desinformation erfolgen. Er kann auch durch Auswahl, Netzwerke, persönliche Beziehungen, gemeinsame Seminare und jahrzehntelange Kontakte zwischen jenen entstehen, die später Regierungen, Ministerien, Banken, Medien und Sicherheitsapparate führen. Die French-American Foundation macht daraus kein Geheimnis. Sie wurde Mitte der 1970er-Jahre im Umfeld der französisch-amerikanischen Staatsbeziehungen gegründet und 1976 während eines Staatsdinners in Washington offiziell eingeweiht. 1981 folgte das Young-Leaders-Programm. French-American Foundation – Geschichte

Nicht jede Aussage de Gaulles hält einer Überprüfung stand. Er nennt François Hollande und Nicolas Sarkozy als ehemalige Young Leaders. Hollande ist dokumentiert, Sarkozy dagegen nicht. Auch die Behauptung, das Programm werde von der CIA gefördert, ist öffentlich nicht belegt. Aber die Indizien sprechen für sich.

Gerade deshalb braucht de Gaulles Kritik den CIA-Vorwurf eigentlich gar nicht. Das transatlantische Netzwerk ist real, offen dokumentiert und politisch einflussreich. Es beweist keine Fremdsteuerung, zeigt aber, wie eng Teile der französischen politischen Elite seit Jahrzehnten mit amerikanischen Entscheidungsträgern vernetzt sind. Während in Europa bei jeder vermuteten russischen Einflussnahme sofort von Einmischung gesprochen wird, gelten solche westlichen Netzwerke meist als normale internationale Zusammenarbeit.

 

Macron, Hollande und Co.: Pierre de Gaulle legt das transatlantische Netzwerk hinter Frankreichs Führung offen