In einer Wiener Wohngemeinschaft sollte eine Neunjährige, die in ihrer Familie Gewalt erlebt hatte, Schutz finden. Stattdessen wurde sie dort wiederholt sexuell missbraucht. Der Täter, ein 15-Jähriger, erhielt nun ein mildes Urteil. Er könne halt nicht mit seinen Emotionen umgehen.
Ein 15-jähriger Serientäter durfte sich im Wiener Landl über eine milde „Strafe“ freuen: Er missbrauchte in einer Wohngemeinschaft der MA 11 wiederholt ein neunjähriges Mädchen. „Das Kind war dort mit ausschließlich Jugendlichen untergebracht. Sie war mit Abstand die Jüngste dort“, soll die Richterin laut „Krone“ zum Angeklagten gesagt haben.
Ein Warum gab es nicht: Er wisse es nicht, kam es auf die Frage zurück. Seine Verteidigerin erklärte: „Er hat Schwierigkeiten, mit seinen Emotionen und Aggressionen umzugehen.“ Aha.
Das reichte angesichts der milden Strafe wohl als Begründung aus. Der 15-Jährige kam mit 13 in die Einrichtung, nachdem seine Großmutter, bei der er zuvor gewohnt hatte, mit seinen Gewaltausbrüchen nicht mehr umgehen konnte. Wie es sein kann, dass der Jugendliche in der WG mehrfach Gelegenheit bekommen hat, ein Kind zu missbrauchen, bleibt das Geheimnis der Verantwortlichen.
Es blieb auch nicht beim Übergriff auf das kleine Mädchen: Kurz vorm Auszug des Burschen aus der Wohngemeinschaft am 10. Dezember belästigte er auch noch eine 14-Jährige. In das Mädchen sei er angeblich verliebt gewesen. Sie hat das nicht erwidert – „und das konnten Sie nicht akzeptieren“, so die Richterin. Das bestätigte der Angeklagte.
Der mögliche Strafrahmen – es ging um sexuellen Missbrauch Unmündiger, geschlechtliche Nötigung und sexuelle Belästigung – hätte bis zu 2,5 Jahre Haft betragen können, doch stattdessen wurde der 15-Jährige zu 6 Monaten bedingt verurteilt (noch nicht rechtskräftig). Die Opfer erhielten 500 Euro Schadensersatz, angeblich noch im Gerichtssaal. Ob sich ein lebenslanges Trauma durch 500 Euro in Luft auflösen wird? Zumal der Angeklagte das wohl kaum selbst finanziert hat – ihm dürfte diese Zahlung herzlich egal gewesen sein.
Er soll eine „Sexualberatung“ und eine Psychotherapie machen. Das Urteil scheint nicht einmal im Leumundszeugnis auf. Es tue ihm leid und er werde das nicht mehr machen, sagte er abschließend.
„Eine Schande“
Nach Ansicht des Gerichts ist damit wohl alles gut. Kommentatoren sehen das freilich anders. „Hier gibt es nicht mal ein Foto von hinten aus dem Gerichtssaal, so wie sonst durchaus auch bei Jugendlichen üblich. Auch hält sich der Bericht sehr bedeckt. Wird der Typ extra geschützt oder wird versucht, die Aufmerksamkeit auf keinen Fall auf diese Institution zu lenken, wo es offensichtlich möglich ist, dass Jugendliche öfter allein mit kleinen Mädchen sein können?“, kommentierte ein Nutzer bei der Krone. „Das ist keine Strafe!“, konstatierte ein anderer, und weiter: „500 € Schadenersatz sind ein Witz und der Jugendliche hat sicher nichts gelernt!“
Viele halten fest, dass sie sich für diese Justiz schämen, und sprechen von einer „Schande“. Und schon jetzt sorgen sich die Menschen um die nächsten Opfer: „Der hat ‚das‘ mehrmals getan. Der hört doch daher auch nicht einfach auf ‚damit‘. Das ist eine Verhöhnung der Opfer. Mir graut davor, was der hinkünftig diesbezüglich noch aufführt. Die armen Frauen, die ihm hinkünftig möglicherweise zum Opfer fallen.“
Das vielfach verlorene Vertrauen in den österreichischen Rechtsstaat stellt die Justiz mit solchen Urteilen jedenfalls nicht wieder her.
Irres Urteil in Wien: 9-Jährige wiederholt missbraucht – 500 Euro und „Sexualberatung“
