Verfasst von Antonio Graceffo
Washington hat Verbündete gewarnt im gesamten Nahen Osten, sich auf erneute US-Angriffe auf den Iran nach den Zwischenwahlen am 3. November vorzubereiten und sich auf iranische Vergeltungsmassnahmen einzustellen, berichteten zwei über die Warnungen informierte Diplomaten der Associated Press. Präsident Donald Trump habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen, sagten sie. Das Wall Street Journal berichtete separat, die arabischen Golfstaaten seien angewiesen worden, mit einer „kurzen, intensiven“ Kampagnezu rechnen, wobei Trump zu Angriffen auf iranische Infrastruktur und Nuklearanlagen neige.
Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, der Teherans Verhandlungsteamleitet, reagierte, indem er die Bedingungen Irans bekräftigte. Am Donnerstag schrieb er auf X, Gespräche könnten nur vorankommen, wenn Washington Teherans sieben Bedingungen akzeptiere, die den Vermittlern wiederholt übermittelt worden seien. «Die Zuckerbrot-und-Peitsche-Methode hat bei Iran keine Wirkung», fügte er hinzu.
Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats Irans, hat bestätigt, dass Teheran Washington sieben Bedingungen übermittelt hat, aber nicht alle offengelegt hat. Der Zugang zu den eingefrorenen Vermögenswerten Irans bleibt ein Streitpunkt. Der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, sagte, Washington könne Teheran keinen Zugang zu Milliarden an Gelderngewähren.
Iranische Medien berichteten diese Woche, Vizepräsident JD Vance habe Rezaei eine Nachricht geschickt. Das Weisse Haus lehnte es ab, über «sensible militärische Pläne, die möglicherweise existieren oder auch nicht» zu sprechen, und erklärte, Trump schliesse nichts aus, um zu verhindern, dass Iran eine Atomwaffe erlangt.
Am Samstag trafen iranische Unterhändler in Doha mit katarischen Vermittlern zusammen, berichtete Reuters. Aussenminister Abbas Araghchi sagte gegenüber Al Jazeera, Teheran habe Vances Schreiben geprüft und die Kontaktaufnahme als «positiven Schritt» gewertet, obwohl keine Treffen mit US-Vertretern geplant seien. Die Gespräche mit Katar hätten, so Araghchi, Irans vorgeschlagenen Zeitrahmen für die Wiederöffnung der Strasse von Hormus von sieben Tagen auf zwei verkürzt.
Araghchi führte Irans Forderungen auf: die Aufhebung der nach dem Islamabad-Memorandum verhängten Sanktionen, eine Verringerung der US-Streitkräfte in der Region, die Wiedereinführung von Ausnahmeregelungen für Öl, die Freigabe aller eingefrorenen iranischen Gelder und die Anerkennung der Schifffahrtsrouten, die Teheran mit Oman besprochen hatte.
Die Gespräche folgen auf eine erfolglose iranische Initiative im September. Während der Generalversammlung der UNO übermittelte Teheran Washington über katarische Vermittler einen Plan, die Meerenge innerhalb von sieben Tagen wieder zu öffnen und die Kämpfe in der Region auszusetzen. Trump lehnte den Plan ab und bezeichnete ihn am 26. September als inakzeptabel.
Am 25. Oktober legten katarische Vermittler in Teheran einen Entwurf eines Abkommens vor, der sieben Tage vertrauensbildende Schritte beider Seiten vorsah und mehrere Länder als Garanten einbezog. Ein hochrangiger iranischer Beamter, der an den Gesprächen beteiligt war, sagte Reuters, das Paket enthalte inakzeptable Ideen statt eines konkreten Vorschlags, und erklärte, Iran werde bei seiner Nuklearposition keine Kompromisse eingehen.
Ebrahim Azizi, Vorsitzender des Ausschusses für nationale Sicherheit und Aussenpolitik des iranischen Parlaments, sagte dem iranischen Sender Al-Alam, Teheran prüfe die Vorschläge, ein Abkommen setze jedoch voraus, dass Washington zunächst seine früheren Verpflichtungen einhalte, berichtete IRNA. Er bekräftigte, dass Irans Raketen- und Nuklearprogramme nicht verhandelbar seien.
Bei seiner Rede am Forum der Gas exportierenden Länder in Moskau am 27. Oktober machte der iranische Präsident Masoud Pezeshkian die US-Militäraktionen am Golf für die Störung der Energiemärkte und der Schifffahrt verantwortlich und sagte, der wirtschaftliche Schaden reiche weit über die Region hinaus. Am Rande des Forums traf er auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani.
Am nächsten Tag sagte Rosatom-Chef Alexej Lichatschow, das russische staatliche Atomunternehmen werde 508 weitere Fachkräfte zum iranischen Atomkraftwerk Buschehr entsenden und damit seine dortige Belegschaft auf 700 erhöhen. Rosatom hatte nach Kriegsbeginn im Februar den Grossteil seiner russischen Mitarbeiter abgezogen. Bis Mitte Oktober waren 135 Mitarbeiter zurückgekehrt; damals war geplant, das Kontingent auf 200 zu erhöhen.
Unterdessen flog der Kommandeur des US-Zentralkommandos, Admiral Brad Cooper, am 25. Oktober über die Strasse von Hormus, während CENTCOM bekannt gab, dass die seit dem Sommer mit Unterstützung der USA beförderten Rohölexporte aus dem Golf 1,5 Milliarden Barrel überschritten hatten.
Am 28. Oktober schrieb CENTCOM auf X dass iranische Berichte über Schiffe, die auf Seeminen gelaufen seien, falsch seien und die US-Streitkräfte «alle international anerkannten Haupttransitrouten» geräumt hätten. Am nächsten Tag behauptete die Marine der IRGC, drei Tanker, die auf einer ihrer Aussage nach nicht genehmigten Südroute unterwegs gewesen seien, seien nach einem Minentreffer explodiert und in Brand geraten . Keine unabhängige Quelle hat die Behauptung bestätigt. Der Sprecher der IRGC, Brigadegeneral Hossein Mohebbi, forderte CENTCOM heraus unabhängige Belege für seine Minenräumarbeiten vorzulegen.
Reuters und die britische Organisation UK Maritime Trade Operations bestätigten einen Angriff mit Haftminen. Sprengsätze, die von einem kleinen Boot aus am Rumpf eines Tankers angebracht worden waren, lösten im Maschinenraum ein Feuer aus. Oman meldete, 25 Besatzungsmitglieder von einem vor Musandam angegriffenen Tanker evakuiert zu haben.
Am Donnerstag behauptete die Marine der IRGC, ihre Einheit für elektronische Kriegsführung habe westlich der Meerenge die Kontrolle über eine US-amerikanische MQM-170-Drohne übernommen und sie unversehrt gelandet. Der CENTCOM-Sprecher, Hauptmann Tim Hawkins, wies die Behauptung zurück und sagte, die IRGC «hat wiederholt aus Verzweiflung gelogen». IRNA merkte im selben Bericht an, dass die Griffon Aerospace MQM-170 Outlaw eine Zieldrohne ist, die für die Ausbildung in der Luftverteidigung entwickelt wurde.
Die Behauptung erinnerte an einen Vorfall im September, bei dem die IRGC erklärte, sie habe eine hochmoderne US-Unterwasserdrohne erbeutet. Das US-Militär sagte, das Fahrzeug habe eine Fehlfunktion gehabt.
Während die Amerikaner am Dienstag ihre Stimme abgeben und die US-Streitkräfte Angriffsoptionen vorbereiten, muss Trump entscheiden, wie er auf Teherans Bedingungen reagieren und ob er den Krieg wieder aufnehmen soll.
