21. Oktober 2026

Neuigkeiten NEWS

www.projekt-forum.org

Hunderte neue Windräder, immer mehr Rechenzentren: Neuer Strompreis-Schock?

 

Das Land Niederösterreich hat durch die Erweiterung bestehender und die Schaffung neuer Windzonen im Raumordnungsprogramm die rechtlichen Flächengrundlagen für den Bau von 250 zusätzlichen Windkraftanlagen geschaffen. Die IG Windkraft geht in ihren Potenzialanalysen davon aus, dass in Niederösterreich bis 2030 der Bau von bis zu 400 neuen Windrädern realistisch und möglich ist. In Niederösterreich sind derzeit sechs große Rechenzentren in Planung oder befinden sich bereits im Bau. Was bedeutet das für die Stromverbraucher?

Gastkommentar von Angelika Starkl

„Wir brauchen diese Power von Rechenzentren, sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Wir wollen diese Entwicklung als erstes Bundesland aktiv steuern“, so Johanna Mikl-Leitner. Laufend würden Anfragen zu neuen Projekten beim Land Niederösterreich einlangen, aktuell wären es Rechenzentren-Projekte „mit Stromleistungen im Ausmaß von rund 3.400 Megawatt – das ist doppelt so viel wie der Stromverbrauch Niederösterreichs – und Flächen in der Dimension von bis zu 50 Fußballfeldern.“ Mikl-Leitner: „Der Bau eines Rechenzentrums mit 100 Megawatt Leistung führt zu einer Bruttowertschöpfung von rund 270 Millionen Euro in Niederösterreich und sichert und schafft rund 2.800 Arbeitsplätze.“

Man wolle Forschung in Niederösterreich forcieren und „klar regeln, wo und wie Rechenzentren entstehen“, erklärte außerdem Stephan Pernkopf. „Bis 0,5 Hektar sind Widmungen wie bisher im Betriebsgebiet und Industriegebiet möglich. Bis drei Hektar braucht es eine neue Kategorie Bauland-Sondergebiet-Rechenzentrum. Über drei Hektar braucht es eine Standortverordnung der Landesregierung und eine Widmung der Gemeinde.“

Das gerade in Oberösterreich in Umsetzung befindliche große Datencenter von Google erhalte eine Anschlussleistung von rund 150 Megawatt: „Das entspricht der dreifachen elektrischen Leistung, die in der Stadt Wr. Neustadt abgerufen wird“, so ÖVP-Klubobmann Kurt Hackl.

Rechenzentren in Bruck an der Leitha, Gänserndorf, Korneuburg und Mödling geplant

Der Strom für die Rechenzentren, wie die drei verknüpften Zentren von Microsoft in Schwechat, Vösendorf und Achau sowie weitere Projekte, stammt vorwiegend aus dem allgemeinen Stromnetz über die regionalen und überregionalen Netzbetreiber (EVN / Netz Niederösterreich und Austrian Power Grid). Da in Österreich bereits rund drei Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen werden, greifen die Zentren zu einem großen Teil auf diesen Strommix zurück.

Aufgrund des immensen Energiebedarfs – das Land Niederösterreich verzeichnete Projektanfragen mit einer gigantischen Stromleistung von rund 3.400 Megawatt (3,4 GW) – wirft die Versorgung jedoch erhebliche infrastrukturelle und strategische Fragen auf. Die Ansiedlung großer Rechenzentren in Niederösterreich und im angrenzenden Oberösterreich, wie das viel diskutierte Google-Großprojekt in Kronstorf, birgt das Risiko steigender Strompreise. Wie es um den Bau der Rechenzentren bestellt ist und was das mit dem Ausbau der Windenergie zu tun hat, zeigen ein gut recherchierter Beitrag von Hanno Settele auf ORF ON und ein Beitrag zum Thema auf kontrast.at:

Auswirkung auf den Strompreis

Große Rechenzentren fungieren als enorme Dauerverbraucher. Die im Bau befindliche erste Stufe des Google-Rechenzentrums benötigt beispielsweise rund 1,31 Terawattstunden pro Jahr – so viel wie etwa 375.000 Haushalte. Da Österreich eine kleine Strompreiszone ist, kann eine derart massive zusätzliche Stromnachfrage laut Analysen von E3 Consult die Strombeschaffungskosten im Großhandel nach oben treiben.

Müssen Energieversorger den Strom teurer einkaufen, geben sie diese Mehrkosten langfristig über höhere Tarife an Industrie, Gewerbe und private Haushalte weiter. Die Betreiber der Rechenzentren müssen ihre Anschlussleitungen und die damit verbundenen Netzentgelte selbst bezahlen. Sollte der massive zusätzliche Kapazitätsbedarf allerdings einen vorzeitigen, großflächigen Ausbau des regionalen Hochspannungsnetzes erzwingen, können Teile dieser Infrastrukturkosten über die allgemeinen Netzkosten auf alle Verbraucher abgewälzt werden.

Die Nachteile von Rechenzentren im Überblick:

  • Enormer Stromhunger: Rechenzentren gehören weltweit zu den größten Stromverbrauchern. Ein einziges großes Rechenzentrum kann so viel Energie wie eine Kleinstadt benötigen.
  • Hoher Wasserverbrauch: Um die Server vor Überhitzung zu schützen, werden gewaltige Mengen Wasser zur Kühlung verdunstet. Dies führt vor allem in trockenen Regionen in Mitteleuropa zu Konflikten um schwindende Grundwasserreserven.
  • Klimaschädliche Emissionen: Neben dem sonst so gefürchteten CO₂-Ausstoß durch Strom aus fossilen Energien verursachen auch die Notstromaggregate, oft Diesel- oder Gasgeneratoren, im Ernstfall Luftverschmutzungen.
  • Hoher Platzbedarf: Die Gebäude sind riesig und blockieren wertvolle Flächen. In Ballungsräumen konkurrieren sie direkt mit dem Wohnungsbau oder Agrarflächen, was zu steigenden Grundstückspreisen führt.
  • Geringer lokaler Beschäftigungseffekt: Trotz ihrer immensen Größe arbeiten in den Zentren nach der Bauphase meist nur sehr wenige Menschen im laufenden Betrieb.
  • Lärmbelästigung: Die massiven Kühlanlagen und Lüfter laufen rund um die Uhr und erzeugen eine permanente Lärmbelastung für umliegende Wohngebiete.
  • Ziel für Angriffe: Als kritische Infrastruktur stehen Rechenzentren im Visier von Hackern und Saboteuren.
  • Elektroschrott: Da sich Hardware extrem schnell weiterentwickelt, veralten die Server in kurzen Abständen. Dies erzeugt tonnenweise Elektroschrott, von dem nur Bruchteile recycelt werden.
  • Inflexibilität der Infrastruktur: Die physische Kopplung von Stromversorgung, komplexen Kühlsystemen und Serverracks macht nachträgliche Erweiterungen oder technische Anpassungen im Gebäude extrem teuer.
  • Steigende Kosten für Verbraucher: Der massive Energiehunger der Zentren kann in betroffenen Regionen zu steigenden Strompreisen für private Endverbraucher führen.

 

Hunderte neue Windräder, immer mehr Rechenzentren: Neuer Strompreis-Schock?