1. November 2026

Neuigkeiten NEWS

www.projekt-forum.org

Energie Teure Kostenfalle Energiewende: Wer elektrisch fährt und heizt, wird künftig draufzahlen

 

Wer geglaubt hat, als braver Energiewende-Jünger mit Elektroauto und Wärmepumpe künftig finanziell besser davonzukommen, könnte in Österreich bald sein blaues Wunder erleben. Neue Netzgebühren können ausgerechnet jene Haushalte stärker belasten, die besonders konsequent auf Strom umgestiegen sind. Während der Ausbau von Wind- und Solarenergie Milliardeninvestitionen in die Netze erfordert, sollen die Verbraucher nun auch noch ihre Stromnutzung anpassen. Selbst die Elektromobilitätsbranche warnt vor steigenden Kosten.

Brav das Elektroauto gekauft, die alte Gas- oder Ölheizung gegen eine Wärmepumpe ausgetauscht und damit seinen Beitrag zur politisch verordneten Energiewende geleistet? Dann sollte man sich in Österreich schon einmal mit den neuen Stromnetztarifen beschäftigen. Denn ausgerechnet jene Bürger, die den politischen Empfehlungen besonders eifrig gefolgt sind, können künftig höhere Netzgebühren aufgebrummt bekommen. Das Elektroauto lädt zu schnell, die Wärmepumpe läuft gleichzeitig mit anderen Geräten? Schon kann es deutlich teurer werden. Während der konventionell fahrende und heizende Nachbar von diesen zusätzlichen elektrischen Lastspitzen verschont bleibt, muss der überzeugte Anhänger der Elektrifizierung künftig genauer aufpassen, wann er heizt oder seinen Stromer auflädt.

Die österreichische Regulierungsbehörde E-Control hat am 29. Oktober den Entwurf für die Netztarife 2027 vorgelegt. Künftig soll neben dem Stromverbrauch auch die höchste durchschnittliche Leistungsaufnahme innerhalb einer Viertelstunde pro Monat stärker über die Höhe der Netzrechnung entscheiden. Der Leistungspreis wird schrittweise ausgeweitet und soll langfristig ungefähr die Hälfte des Netznutzungsentgelts ausmachen. Für Haushalte mit Elektroautos, Wärmepumpen und anderen leistungsstarken Verbrauchern kann sich dadurch eine empfindliche Kostenbelastung ergeben. Die neuen Regeln sollen ab 2027 schrittweise eingeführt werden.

Elf Kilowatt Ladeleistung können teuer werden

Eine übliche Wallbox für Elektroautos lädt mit elf Kilowatt. Arbeitet gleichzeitig die Wärmepumpe oder laufen andere leistungsstarke Haushaltsgeräte, steigt die gesamte Stromabnahme entsprechend an. Im neuen österreichischen Tarifmodell wird der Leistungsanteil oberhalb von zehn Kilowatt mit einem um rund 50 Prozent höheren Satz verrechnet. Maßgeblich ist der höchste Viertelstunden-Durchschnittswert des Monats. Ein einziger entsprechend hoher Wert genügt, um die Leistungskomponente der Netzrechnung für diesen Monat zu erhöhen. Danach kann man sein Elektroauto noch so langsam laden – die bereits gemessene Spitze bleibt für die betreffende Monatsabrechnung bestehen.

Wie sich das auswirken kann, zeigen die vorläufigen Tarife für Oberösterreich. Für die ersten zehn Kilowatt werden im regulären neuen Modell monatlich 2,41 Euro je Kilowatt verrechnet, oberhalb dieser Schwelle sind es 3,62 Euro für den zusätzlichen Leistungsanteil. Ein Haushalt mit vier Kilowatt monatlicher Leistungsspitze kommt damit auf 9,64 Euro Leistungspreis. Bei zwölf Kilowatt sind es bereits 31,34 Euro. Bleiben diese Spitzen über zwölf Monate hinweg gleich, ergibt sich ein Unterschied von 260,40 Euro netto im Jahr. Beide Haushalte können dabei dieselbe Strommenge verbrauchen. Verglichen wird ausschließlich die Leistungskomponente innerhalb des neuen Modells, nicht die gesamte Stromrechnung oder die Veränderung gegenüber den bisherigen Gebühren.

Die Einführung erfolgt schrittweise. Nach der bereits beschlossenen Grundsatzverordnung gilt grundsätzlich zunächst bis Ende November 2027 eine Übergangsregelung. Einzelne Netzbetreiber können früher oder später umstellen, spätestens ab Juli 2028 muss das neue Leistungspreismodell überall angewendet werden. Die endgültigen Tarife für 2027 stehen noch aus. Festgelegt ist jedoch bereits die neue Abrechnungslogik: Hohe gleichzeitige Stromabnahme soll stärker ins Geld gehen. Der begeisterte E-Auto-Besitzer darf also künftig überlegen, ob er seine Wallbox mit voller Leistung betreiben möchte oder lieber gedrosselt lädt.

Der Rechnungshof bestätigt die teuren Folgen der Energiewende

Dabei hat die österreichische Politik ein wesentlich größeres Problem. Während Windräder und Solaranlagen aus dem Boden schießen, kommen die Stromnetze mit dem Ausbau nicht Schritt. Ausgerechnet der Rechnungshof stellte in seinem am 29. Mai 2026 veröffentlichten Bericht fest, dass der Ausbau der wetterabhängigen Stromerzeugung schneller voranschreitet als die erforderlichen Anpassungen der Netzinfrastruktur. Diese kosten Geld, und die Rechnung landet über die regulierten Netzentgelte bei den Verbrauchern. Bei einem Musterhaushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch machten die Netzgebühren im Mai 2025 bereits rund 29 Prozent der gesamten Stromrechnung aus. Der Rechnungshof kritisierte zudem, dass Haushaltskunden bei den Netzentgelten stärker belastet werden als Industriekunden.

Die Prüfer fordern eine bessere Abstimmung zwischen dem Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung und den vorhandenen Netzkapazitäten. Denn Windräder liefern nur bei entsprechendem Wind ausreichend Strom, Solaranlagen benötigen Sonnenschein. Gleichzeitig steigen durch Elektroautos, Wärmepumpen und die Umstellung industrieller Prozesse die Anforderungen an die Netze. Zusätzliche Leitungen, Speicher und Möglichkeiten zur flexiblen Steuerung des Stromverbrauchs würden benötigt, um das irgendwie noch managen zu können. Der Rechnungshof erwartet bei den untersuchten Netzbetreibern in Wien und Niederösterreich wegen der hohen Investitionen bis 2030 weitere Steigerungen der Netzentgelte. Die Energiewende verursacht also Kosten, die weit über die Anschaffung von Windkraftwerken und Solaranlagen hinausgehen.

Report24 berichtete bereits im Juli 2025 über die Entwicklung in Deutschland. Dort haben sich die Netzentgelte innerhalb von zehn Jahren ungefähr verdoppelt. Die gewaltigen Investitionen in den Umbau des Stromsystems werden zunehmend zu einer finanziellen Belastung für Haushalte und Unternehmen. Die Kosten für Transport und Verteilung der Elektrizität verschwinden schließlich nicht dadurch, dass Wind- und Solarstrom an einzelnen Tagen besonders günstig produziert wird. Und während die Bürger zum Umstieg auf elektrische Alternativen gedrängt werden, wächst der Investitionsbedarf immer weiter.

Allein ein Stromring verschlingt 800 Millionen Euro

Wie teuer der Netzausbau ausfallen kann, zeigt ein Projekt in Oberösterreich. Im Zentralraum Linz errichten Austrian Power Grid, Netz Oberösterreich und Linz Netz einen neuen 220-Kilovolt-Versorgungsring. Rund 42 Kilometer Leitungen sowie der Ausbau mehrerer Umspannwerke gehören zu dem Vorhaben, das bis 2030 schrittweise fertiggestellt werden soll. Die Investitionssumme beträgt rund 800 Millionen Euro. Neben der Erneuerung jahrzehntealter Infrastruktur dient das Projekt insbesondere der Elektrifizierung der Industrie. Die geplante Umstellung der Stahlproduktion auf strombasierte Verfahren ist ein wesentlicher Grund für den Ausbau. Hinzu kommt die bessere Integration erneuerbarer Stromerzeugung.

Fast eine Milliarde Euro für ein regionales Infrastrukturprojekt. Dabei handelt es sich lediglich um einen Teil des gewaltigen europäischen Investitionsbedarfs. Report24 berichtete bereits über die Billionensummen, die für den Ausbau und die Modernisierung der europäischen Stromnetze im Zuge der Energiewende benötigt werden. Die dafür anfallenden Kosten müssen über Jahrzehnte finanziert werden. Und sie verschwinden auch dann nicht, wenn Politiker von günstigem Ökostrom schwärmen. Am Ende zählen die Netzentgelte ebenso zur Stromrechnung wie die eigentliche Energieerzeugung.

Sogar die Elektromobilitätsbranche schlägt Alarm

Ausgerechnet jene Branche, die von der politischen Elektrifizierung des Verkehrs profitiert, sieht inzwischen Probleme auf sich zukommen. Der Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) warnte bereits im Juli vor erheblichen Mehrkosten durch die geplanten neuen Netztarife. Nach seiner damaligen Einschätzung könnten bis zu 50 Prozent der öffentlichen Ladepunkte von den Änderungen betroffen sein. Vor allem weniger stark ausgelastete AC-Ladesäulen mit elf oder 22 Kilowatt Leistung könnten wirtschaftlich unter Druck geraten. Für Betreiber bedeutet das möglicherweise höhere Kosten, für E-Autofahrer entsprechend höhere Ladepreise oder weniger verfügbare Ladestationen.

Der Verband legte dazu eine Beispielrechnung vor. Bei einer Ladestation mit zwei Ladepunkten zu je elf Kilowatt und einem Jahresabsatz von 5.000 Kilowattstunden könnten die Netzkosten nach dem damaligen Entwurf bis zu 27,5 Cent je Kilowattstunde erreichen. Selbst bei 10.000 Kilowattstunden wären es noch 16 Cent. Die Berechnungen stammen aus dem früheren Entwurf und entsprechen noch keinen endgültigen Tarifen für 2027. Der Verband befürchtet insbesondere Nachteile für Ladepunkte in Wohngebieten und ländlichen Regionen. Dort ist die Auslastung häufig niedriger, während die verfügbare Anschlussleistung dennoch finanziert werden muss. Ausgerechnet der Ausbau der Ladeinfrastruktur könnte dadurch wirtschaftlich unattraktiver werden.

In Großbritannien zeigte sich bereits, wie drastisch Netzgebühren für Ladeinfrastruktur steigen können. Report24 berichtete im März über einen Betreiber, dessen jährliche Gebühren an einem Standort von 87 auf 33.651 Pfund geklettert waren. Das britische Modell unterscheidet sich von den geplanten österreichischen Tarifen. Die wirtschaftlichen Folgen hoher Leistungskosten können jedoch ähnlich ausfallen. Die Betreiber müssen ihre Ausgaben entweder selbst tragen, über höhere Ladepreise hereinholen oder unrentable Standorte aufgeben. Die politisch geförderte Elektromobilität wird damit an einer weiteren Stelle zu einem teuren Unterfangen.

Jetzt sollen die Energiewende-Jünger auch noch ihr Verhalten ändern

Die E-Control verspricht durch die Reform langfristig Einsparungen von rund 300 Millionen Euro jährlich bei den Netzkosten. Dafür sollen die vorhandenen Netze gleichmäßiger ausgelastet und teure zusätzliche Kapazitäten vermieden werden. Bei den bestehenden Netzkosten handelt es sich zunächst um eine neue Verteilung zwischen den Verbrauchern. Ein durchschnittlicher Haushalt ohne große elektrische Verbraucher könnte nach den vorläufigen Berechnungen sogar weniger Netzentgelte bezahlen. Für Besitzer leistungsstarker Geräte hängt die Belastung dagegen künftig stärker davon ab, wie sie ihre Stromabnahme organisieren.

Damit der Umstieg nicht unnötig teuer wird, hat die Regulierungsbehörde gleich passende Ratschläge parat. E-Autos sollen möglichst langsam über Nacht geladen werden. Wärmepumpen sollten so programmiert werden, dass sie nicht gleichzeitig mit anderen leistungsstarken Geräten laufen. Die E-Control möchte dadurch Lastspitzen reduzieren und den Bau zusätzlicher Netzkapazitäten begrenzen. Die Haushalte sollen sich also nach den Möglichkeiten des Stromnetzes richten. Wer sein Elektroauto mit voller Leistung laden und gleichzeitig andere Geräte betreiben möchte, muss gegebenenfalls entsprechend höhere Gebühren bezahlen.

Für die Energiewende-Fanatiker ist das eine unangenehme Entwicklung. Jahrelang wurde ihnen der Umstieg auf Elektroautos und Wärmepumpen als wirtschaftlich vernünftige Entscheidung angepriesen. Weg von Benzin, Diesel, Gas und Heizöl, hin zu einer elektrischen Zukunft. Doch während der Staat die Elektrifizierung vorantreibt, sollen die Leute nun verstärkt Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der Stromnetze nehmen. Die Rechnung für den teuren Umbau des Energiesystems lässt sich schließlich nicht beliebig auf fossile Energieträger abwälzen. Auch die zunehmend elektrifizierten Haushalte werden über die Netzentgelte an den Kosten beteiligt.

Der brave Energiewende-Jünger hat also möglicherweise viel Geld in ein Elektroauto, eine Wallbox und eine Wärmepumpe investiert, weil er damit langfristig besser fahren wollte. Nun darf er sich auch noch damit beschäftigen, wie er deren Betrieb zeitlich aufeinander abstimmt, damit die Stromrechnung nicht unnötig steigt. Sein Nachbar mit Verbrenner und konventioneller Heizung muss sich über solche zusätzlichen elektrischen Lastspitzen keine Gedanken machen.

 

Teure Kostenfalle Energiewende: Wer elektrisch fährt und heizt, wird künftig draufzahlen