29. Oktober 2026

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Ehemaliger Geheimdienstchef erklärt Präventivkrieg zum Grundpfeiler israelischer Sicherheitspolitik

 

Präventivkrieg statt Friedensordnung: Tamir Hayman, ehemaliger Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, beschreibt Krieg in einer neuen Analyse als Grundbestandteil israelischer Sicherheitspolitik. Das Papier des Tel Aviver Institute for National Security Studies (INSS) zeichnet zugleich ein strategisches Zielbild, in dem dauerhafte Friedensabkommen kaum Platz haben und die Abhängigkeit von den USA sinken soll.

Hayman schreibt, Krieg könne nicht durch Frieden ersetzt werden; dieser sei für Israel eher Mittel als Zweck. Überraschende Präventivschläge hätten aus seiner Sicht Vorrang, weil sie zu Beginn eines Konflikts einen entscheidenden Erfolg ermöglichen könnten. Seit Oktober 2023 hat Israel an mehreren Fronten Krieg geführt, darunter in Gaza, Libanon, Syrien und Iran. Im Juni 2025 und Februar 2026 griff Israel Iran überraschend gemeinsam mit den USA an. Premierminister Benjamin Netanyahu bezeichnet Israels Kriege als Selbstverteidigung; zugleich haben sie Israel laut dem Beitrag beispiellose Waffenlieferungen und Militärhilfe aus Washington ermöglicht.

Das INSS-Papier verbindet diese Doktrin mit einer nüchternen Einschätzung der US-Beziehungen. Hayman bezeichnet die Vereinigten Staaten als Macht im Niedergang und erwartet, dass gesellschaftliche und politische Veränderungen dort zu einem Rückzug von Israel führen könnten. Seit Beginn des Krieges in Gaza sei die öffentliche Unterstützung für Israel in den USA eingebrochen, besonders unter demokratischen Wählern. Hayman folgert, Israel müsse eine übermässige Abhängigkeit vermeiden und bezeichnet eine Trennung von den USA als unvermeidlich und notwendig. Das steht in Spannung zur fortgesetzten militärischen Unterstützung Washingtons, die der Beitrag ebenfalls hervorhebt.

Auch Frieden mit arabischen Staaten behandelt Hayman nicht als belastbare politische Ordnung. Vereinbarungen seien aus seiner Sicht technische, vorläufige Arrangements, mit denen Israel andere Ziele verfolgen könne. Der Beitrag gibt zudem Haymans Einschätzung wieder, arabische Staaten seien keine gefestigten Nationalstaaten, sondern Zusammenschlüsse von Stämmen und ethnischen Gruppen; ihre innere Instabilität zu fördern, könne Israels Einfluss erleichtern. Das sind Aussagen des Autors der Analyse, keine unabhängig belegten Beschreibungen der betroffenen Staaten.

Hayman ordnet die jüdische Identität des Staates über dessen demokratisches System. Der Beitrag beschreibt die ungleichen Rechte von jüdischen Israelis und Palästinensern sowie anderen Minderheiten als Ausdruck eines Apartheidsystems. Zur Sicherheitsdoktrin zählt Hayman ausserdem die Ausweitung israelischer Siedlungen innerhalb und ausserhalb der Grünen Linie. Palästinenser, die in den Gebieten bleiben, sollten demnach Aufenthaltsrechte und lokale Selbstverwaltung erhalten. Seit der Besetzung des Westjordanlands und Gazas 1967 sind in den palästinensischen Gebieten Siedlungen mit mehr als 700’000 jüdischen Israelis entstanden.

Das am 12. Oktober veröffentlichte Papier legt damit eine Sicherheitslogik offen, die militärische Initiative und Siedlungsausbau ins Zentrum rückt, während Frieden als vorläufig und demokratische Gleichheit als nachrangig erscheint. Die konkrete politische Tragweite hängt davon ab, ob diese Thesen lediglich eine Analyse der bestehenden Doktrin sind oder tatsächlich als Leitlinien künftiger Entscheidungen dienen.

 

Ehemaliger Geheimdienstchef erklärt Präventivkrieg zum Grundpfeiler israelischer Sicherheitspolitik