Erfundene Nazi-Zitate, hunderttausende Reaktionen und eine peinliche Blamage im Landtag: Mit gefälschten E-Mails wurde gegen die AfD gehetzt. Politiker von CDU, SPD und Grünen verbreiteten die angeblichen Enthüllungen, ohne deren Echtheit zu überprüfen. Der österreichische Plagiatsjäger Stefan Weber nahm die Nachrichten unter die Lupe und deckte die Fälschungen auf. Ausgerechnet die selbsternannten Kämpfer gegen Desinformation machten sich zu Verbreitern dreister Lügen.
Hitler-Verherrlichung, Holocaust-Verharmlosung und widerwärtige Gewaltfantasien: Mit solchen angeblichen Aussagen von AfD-Politikern wurde im Internet gegen die Oppositionspartei gehetzt. Die besonders empörenden E-Mails waren jedoch gefälscht. Trotzdem verbreiteten Politiker von CDU, SPD und Grünen die Anschuldigungen weiter. Ein CDU-Abgeordneter schleppte den digitalen Schwindel sogar bis ans Rednerpult des baden-württembergischen Landtags. Na wenn das nicht Steilvorlagen für Klagen wegen Verleumdung sind.
Ausgangspunkt war ein Hackerangriff auf einen IT-Dienstleister der AfD im September. Unbekannte erbeuteten Daten aus Parteipostfächern. Am 19. Oktober tauchte ein Archiv mit angeblich 421.179 E-Mails im Internet auf. Kurz darauf kursierten Screenshots mit angeblichen Nazi-Bekenntnissen von AfD-Funktionären. Diese Nachrichten fanden sich im veröffentlichten Datenbestand allerdings nicht. Die Fälschungen waren den Darstellungen echter geleakter E-Mails allerdings täuschend ähnlich.
CDU-, SPD- und Grünenpolitiker verbreiteten Fälschungen
Grünen-Bundestagsabgeordneter Johannes Wagner verbreitete gleich drei der angeblichen AfD-Zitate auf Instagram. Rund 140.000 Likes kassierte sein Beitrag laut t-online. Die vermeintlichen Enthüllungen präsentierte Wagner als Beleg für unfassbare Aussagen innerhalb der Partei. Nur hatte noch kein Medium die betreffenden Nachrichten verifiziert. Für die öffentliche Empörung reichten die erfundenen Zitate trotzdem.
Noch dreister wurde es bei der CDU. Bastian Schneider, Vorsitzender des Innenausschusses im baden-württembergischen Landtag, zitierte eine der gefälschten E-Mails, um der AfD braunes Gedankengut vorzuwerfen. Dem nordrhein-westfälischen AfD-Abgeordneten Andreas Keith wurde darin unterstellt, Adolf Hitlers Geburtstag würdigen zu wollen. Keith widersprach entschieden und bezeichnete Hitler ausdrücklich als Verbrecher. Die angebliche Nachricht existiert im veröffentlichten Mailbestand nicht. Trotzdem hatte es die Fälschung bereits ins Parlament geschafft.
Auch der SPD-Politiker Dario Schramm verbreitete einen solchen gefälschten Screenshot mit einem empörten „WTF“. Mehr als 200.000 Aufrufe erzielte sein Beitrag nach Angaben von Stefan Weber. So schnell lässt sich aus erfundenen Anschuldigungen eine öffentliche Kampagne gegen politische Gegner machen.
Plagiatsjäger Weber sieht gezielte Rufschädigung
Der österreichische Plagiatsjäger Doz. Dr. Stefan Weber ging den Behauptungen nach. Er kontaktierte nach eigenen Angaben sämtliche vermeintlichen Absender und Empfänger der kursierenden Nachrichten. Die Befragten bestritten die Echtheit der ihnen zugeschriebenen E-Mails. Weber hält es für wahrscheinlich, dass künstliche Intelligenz bei der Herstellung der Fälschungen eingesetzt wurde. Besonders bemerkenswert: Selbst der erfahrene Plagiatsforscher war zunächst auf die Screenshots hereingefallen. Obwohl er sich beruflich mit Manipulationen und KI-Fälschungen beschäftigt, hielt er die Nachrichten anfangs für echt. Er räumte sogar ein, deshalb kurz an der Redlichkeit der AfD gezweifelt zu haben. Wie viele gewöhnliche Internetnutzer mögen angesichts solcher Fälschungen ebenfalls getäuscht worden sein?
Weber warnt vor schwerster Rufschädigung bis hin zur Zerstörung beruflicher und privater Existenzen. In seinem Blog rechnet er unter dem Titel „Die linkswoke Lügenagenda und die korrupten Universitäten haben jahrzehntelang den Nährboden für die Fälschung bereitet – die KI vollendet nun das Werk“ mit dem gesellschaftlichen Klima ab, das solche Manipulationen begünstigt. Auch die Faktenchecker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nimmt er in die Pflicht.
Vor Fake News warnen – und selbst welche verbreiten
Wie perfide die Fälscher vorgingen, zeigt der Fall des Kölner AfD-Politikers Christer Cremer. Ihm wurde eine Nachricht untergeschoben, in der er angeblich Hitlergrüße und Vergewaltigungsfantasien eines Parteikollegen verharmloste. Tatsächlich hatte Cremer belastendes Material gegen das betreffende Mitglied geliefert und dessen Parteiausschluss vorangetrieben. Die Fälschung verdrehte sein Handeln ins genaue Gegenteil. Aus jemandem, der gegen solche Entgleisungen vorging, machten die Manipulatoren einen vermeintlichen Unterstützer.
CDU, SPD und Grüne predigen ständig den Kampf gegen Fake News, Hass und Hetze. Doch sobald erfundene Nazi-Zitate gegen die AfD auftauchen, werfen einzelne Vertreter dieser Parteien ihre eigenen Maßstäbe über Bord. Da wird geteilt, empört kommentiert und sogar im Parlament zitiert. Die politische Abrechnung läuft, während die Wahrheit auf der Strecke bleibt.
Wer die Fälschungen produziert hat, ist noch nicht ermittelt. Ein technischer Nachweis für den vermuteten KI-Einsatz fehlt ebenfalls. Die Verbreitung der erfundenen Anschuldigungen durch Politiker ist dagegen Realität. Ausgerechnet jene Politiker, die anderen ständig Fake News vorwerfen, verbreiteten selbst erfundene Nazi-Zitate. So sieht der Kampf gegen Desinformation aus, wenn er den eigenen politischen Interessen dient.
AfD-Hetze mit gefälschten Nazi-Mails: CDU, SPD und Grüne blamieren sich selbst
