Im Oktober 1876 räumten Bergleute der Innerberger Hauptgewerkschaft am Hang über dem Leopoldsteiner See bei Eisenerz alte Gruben aus, die man Heidenlöcher nannte. In der siebenten lag unter geschichteter Füllung ein Pflaster aus Kalkplatten, davor zweihundertzwölf steinerne Schlägel, gestapelt wie Scheiter vor einer Haustür. Unter einer Platte begann eine Stiege. Sie führte nicht ins Erz, sondern unter den See – in einen trockenen Raum zwanzig Meter unter dem Wasserspiegel. Am Abend davor hatte ein alter Fischer dem Steiger auf dem See gesagt, wie viele dort unten einmal gestanden hatten.
Dieser Film legt Aufzeichnungen nebeneinander, die nie füreinander geschrieben wurden: das Grubenbuch eines Steigers, die Aufnahme eines jungen Markscheiders aus Leoben, die Worte eines Fischers, der nur auf dem Wasser sprach, ein Sammelblatt des Unternehmens „Das Volkslied in Österreich” aus dem Sommer 1906 – und die Akte der Gesellschaft, deren Umschlag vier Stücke nennt und in der nur eines liegt.
Er gibt auch der gewöhnlichen Erklärung ihr volles Gewicht: Der Kalk am See ist voller Hohlräume, der See wird aus unterirdischen Quellen gespeist, und in dieser Gegend wurde schon in der Bronzezeit Kupfer verhüttet. Doch woher kannte ein Mann, der die Grube nie betreten hatte, die Zahl – und was stand in der fünften Pfanne?
Diese Dokumentation stützt sich auf historische Aufzeichnungen, archäologische Forschung und lokale mündliche Überlieferung. Sie stellt belegte Befunde neben Fragen, die bis heute offen sind. Wo sich die Darstellungen unterscheiden, werden beide gezeigt. Nichts davon wird als abschließendes Ergebnis behauptet.
Quellen (im Bild gezeigt):
– Spezialkarte der österreichisch-ungarischen Monarchie 1:75.000, Zone 15 Kol. XII „Eisenerz, Wildalpe und Aflenz” — New York Public Library / Wikimedia Commons, CC0
– Die eherne Mark. Eine Wanderung durch das steirische Oberland, Bd. 1 (1892), S. 62 — Bayerische Staatsbibliothek / Internet Archive, gemeinfrei
