26. Oktober 2026

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FORTRESS America: Warum das Pentagon US-Militärbasen auf 90 Tage ohne zivile Infrastruktur vorbereitet

 

Das Pentagon bereitet seine Militärbasen auf ein Szenario vor, das weit über einen normalen Stromausfall hinausgeht. Mit dem neuen Programm „FORTRESS America“ sollen größere US-Stützpunkte mindestens 90 Tage ohne zivile Infrastruktur weiterarbeiten können – mit eigener Energieversorgung, strategischen Reserven an Treibstoff, Munition, Medizin und Blut sowie gehärteten Kommunikations- und Versorgungssystemen. Die offiziellen Dokumente nennen als Bedrohungen Cyberangriffe, Sabotage, Drohnenangriffe, zusammenbrechende Lieferketten und einen größeren Krieg, der erstmals seit Jahrzehnten auch das amerikanische Heimatland direkt treffen könnte.

Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte FORTRESS America am 30. September an. Der Name steht für „Federal Operations for Resilience, Troop Resources, Energy, Supply, and Survivability“. Nach seiner eigenen Darstellung soll das Programm die jahrzehntelange Abhängigkeit des US-Militärs von ausländischen Rohstoffen, globalen Lieferketten und vor allem vom zivilen Stromnetz beenden. Hegseth formulierte das Szenario bemerkenswert offen: Sollte ein Gegner das Stromnetz durch Cyberangriff, Sabotage oder auf andere Weise ausschalten, müssten die Basen weiterlaufen, Flugzeuge weiter starten und Kommandozentralen funktionsfähig bleiben.

Fox News veröffentlichte am 25. Oktober Details aus Pentagon-Unterlagen, wonach größere Militärstandorte künftig mindestens 90 Tage ohne externe Unterstützung durchhalten sollen. Gemeint sind nicht nur Elektrizität, sondern auch Wasser, Treibstoff und Kommunikation. Pentagon-Sprecher Sean Parnell bezeichnete die Abhängigkeit von ziviler kommunaler Infrastruktur als ein „intolerables Risiko“.

Das wirft die entscheidende Frage auf: Auf was genau bereitet sich das Pentagon vor?

Die offiziellen Aussagen geben darauf eine erstaunlich klare Antwort. FORTRESS ist nicht für einen einzelnen Hurrikan oder einen kurzen regionalen Stromausfall gedacht. Hegseth selbst sprach davon, dass in einem „realen Krieg“ globale Lieferketten zusammenbrechen würden. Deshalb sollen tiefere strategische Reserven an Munition, Treibstoff, Medikamenten und Blut aufgebaut werden. Seltene Erden, Spezialmetalle, Halbleiter und Treibstoffe sollen wieder verstärkt innerhalb der USA produziert werden. Gleichzeitig sollen Stützpunkte gegen Cyberangriffe, Sabotage und Drohnen gehärtet werden.

Das Szenario dahinter ist ein Krieg, bei dem die Vereinigten Staaten nicht mehr davon ausgehen können, dass der Konflikt weit entfernt auf einem anderen Kontinent bleibt.

Wenn der Krieg Amerika selbst erreicht

Das Pentagon denkt zunehmend in einem Szenario, bei dem ein Gegner nicht nur US-Truppen im Ausland angreift, sondern gleichzeitig versucht, die militärische Infrastruktur innerhalb der Vereinigten Staaten lahmzulegen. Ein erfolgreicher Angriff auf Stromnetze, Kommunikationssysteme, Satelliten, Häfen oder Lieferketten könnte die Fähigkeit der USA, einen Krieg zu führen, massiv einschränken.

Genau deshalb sollen Militärbasen künftig vom zivilen Stromnetz getrennte Microgrids erhalten. Zum Einsatz kommen sollen unter anderem große Batteriespeicher, Erdgas, Solarenergie, Geothermie und sogar tragbare beziehungsweise kleine Kernreaktoren. Eine weitere neue US-Militärbasis soll von Beginn an vollständig unabhängig vom öffentlichen Stromnetz aufgebaut werden und über eigene Energieversorgung sowie moderne Luftabwehr verfügen.

Das bedeutet nicht, dass das Pentagon einen konkreten Angriffstermin kennt oder einen 90-tägigen Blackout erwartet. Es bedeutet aber, dass ein langandauernder Zusammenbruch kritischer Infrastruktur inzwischen zu den Szenarien gehört, für die das US-Militär seine Heimatbasen systematisch vorbereitet.

Cyberangriffe sind nur ein Teil des Szenarios

Besonders auffällig ist, dass die Planung mehrere Bedrohungen gleichzeitig berücksichtigt. Hegseth nennt ausdrücklich Cyberangriffe und Sabotage, das Programm sieht aber auch Schutz gegen Drohnen vor. Kommunikationssysteme, Satelliten und das elektromagnetische Spektrum sollen widerstandsfähiger gemacht werden, damit das Militär auch dann weiterhin sehen, navigieren und kommunizieren kann, wenn Teile der normalen Infrastruktur ausfallen.

Der Hintergrund liegt auf der Hand: Ein moderner Krieg gegen eine Großmacht würde nicht erst beginnen, wenn Panzer US-Territorium erreichen. Stromnetze, Rechenzentren, Satelliten, Unterseekabel, Häfen, Energieversorgung und digitale Kommunikationssysteme wären selbst militärische Ziele.

FORTRESS America soll genau diese Verwundbarkeit reduzieren.

Auch die globalen Lieferketten gelten plötzlich als Kriegsrisiko

Ebenso bemerkenswert ist die wirtschaftliche Dimension des Programms. Washington will seine Abhängigkeit von ausländischen Minen, Halbleiterwerken und Rüstungslieferketten reduzieren. Das Pentagon geht ausdrücklich davon aus, dass in einem größeren Krieg internationale Transportwege und Produktionsketten abbrechen könnten.

Hegseth erklärte deshalb, Amerika müsse im Ernstfall auch dann weiterkämpfen können, wenn „die weltweiten Lieferketten brechen“.

Das ist eine grundlegende Veränderung gegenüber den vergangenen Jahrzehnten. Die militärische Globalisierung beruhte auf der Annahme, dass Rohstoffe, Elektronik und industrielle Komponenten auch während regionaler Kriege weitgehend verfügbar bleiben würden. FORTRESS basiert dagegen auf dem gegenteiligen Szenario: Ein großer Konflikt könnte Handel, Energieversorgung und Industrie gleichzeitig treffen.

Strategische Reserven für einen langen Krieg

Deshalb gehören große Lagerbestände zu den zentralen Säulen des Programms. Munition, Treibstoff, Medikamente, Blut, kritische Mineralien, Elektronik und Ersatzteile sollen in einer Größenordnung vorhanden sein, die es dem US-Militär erlaubt, auch während einer längeren Unterbrechung weiterzuarbeiten.

Der Begriff „90 Tage“ ist dabei vor allem ein Mindeststandard für die operative Durchhaltefähigkeit wichtiger Standorte. Er bedeutet nicht automatisch, dass die Regierung mit genau 90 Tagen Netzausfall rechnet. Aber ein militärisches System, das drei Monate ohne normale Energie-, Wasser- und Lieferinfrastruktur funktionieren soll, wird offensichtlich nicht für einen gewöhnlichen Stromausfall dimensioniert.

Das Pentagon baut nicht für den Frieden von gestern

Noch deutlicher wird die Stoßrichtung durch die anderen Programme, die Hegseth gleichzeitig ankündigte. Mit „Project Meridian“ soll untersucht werden, welche Technologien und Kriegsbereiche die USA in kommenden Jahrzehnten beherrschen müssen. Hegseth erklärte ausdrücklich, die Vereinigten Staaten müssten technologische und militärische Dominanz auf zukünftigen Schlachtfeldern sichern.

FORTRESS America bildet dazu die Heimatbasis: unabhängige Energie, eigene Rohstoffe, große Reserven, widerstandsfähige Kommunikationssysteme und Stützpunkte, die selbst dann weiterkämpfen können, wenn zivile Systeme zusammenbrechen.

Hegseth formulierte es selbst ohne große Umschweife: Die USA suchten keinen Krieg, müssten aber vorbereitet sein, „wenn einer kommt“. Amerika dürfe weder ausgehungert noch abgeschaltet noch von seinen Lieferketten abgeschnitten werden können.

Die Botschaft hinter den 90 Tagen

Das Pentagon hält einen Krieg inzwischen für realistisch genug, bei dem US-Militärbasen auf amerikanischem Boden gleichzeitig von Stromausfällen, Cyberattacken, Sabotage, Drohnen, zerstörten Lieferketten und fehlenden Rohstoffen betroffen sein könnten – und trotzdem mindestens drei Monate weiterkämpfen müssen.

Das ist der strategische Kern von FORTRESS America.

Jahrzehntelang führten die Vereinigten Staaten ihre großen Kriege weit entfernt vom eigenen Territorium. Nun baut das Pentagon seine Infrastruktur für ein Szenario um, bei dem die Front nicht mehr nur im Ausland liegt.

Wenn Amerikas Militärbasen drei Monate lang ohne das zivile Netz, normale Lieferketten und externe Versorgung funktionieren sollen, dann bereitet Washington sich nicht auf den nächsten gewöhnlichen Stromausfall vor – sondern auf die Möglichkeit eines Krieges, dessen Folgen bis tief in die Vereinigten Staaten hineinreichen könnten.

Quellen:

 

FORTRESS America: Warum das Pentagon US-Militärbasen auf 90 Tage ohne zivile Infrastruktur vorbereitet