Australiens Regierung wollte Jugendliche aus den sozialen Medien verbannen. Millionen Konten wurden gesperrt, doch mehr als 80 Prozent der Minderjährigen nutzen die Plattformen weiterhin. Jetzt droht die Regierung von Premierminister Anthony Albanese mit Millionenstrafen und macht Druck für schärfere Alterskontrollen. Ausgerechnet die Bürger sollen mit ihrer Privatsphäre für den gescheiterten Verbotswahn bezahlen.
Millionen Konten gesperrt, die Jugendlichen weiterhin auf TikTok und Instagram – und die australische Regierung will noch mehr kontrollieren. Premierminister Anthony Albanese hat mit seinem Social-Media-Verbot ein gewaltiges Eigentor geschossen. Doch anstatt den Unsinn zu beenden, greift seine Regierung zur nächsten Keule: Millionenstrafen gegen Internetkonzerne und noch strengere Altersprüfungen. Die Freiheit der Bürger? Offenbar zweitrangig, solange die Verbotsbürokraten ihren Willen bekommen.
Die Jugendlichen pfeifen auf das Verbot
Seit Dezember 2025 dürfen Unter-16-Jährige auf Facebook, Instagram, TikTok, YouTube und anderen großen Plattformen keine eigenen Konten mehr besitzen. Rund 4,7 Millionen Konten wurden schon in den ersten Tagen gesperrt oder deaktiviert. Die Regierung ließ sich für ihren vermeintlichen Jugendschutz-Erfolg feiern. Doch die Teenager haben den Politikern gründlich die Rechnung vermasselt. Die eigene Internetaufsicht eSafety liefert den Offenbarungseid. Vor dem Verbot nutzten 85,9 Prozent der Unter-16-Jährigen soziale Medien. Drei Monate danach waren es immer noch 81,5 Prozent. Ganze 4,4 Prozentpunkte weniger! Auch bei den eigenen Konten fällt der Rückgang bescheiden aus: von 52,4 auf 42,1 Prozent. Fast jeder zweite Minderjährige besitzt also weiterhin einen eigenen Account. Dafür hat man ein landesweites Verbot eingeführt und Millionen Konten dichtgemacht?
Für Kommunikationsministerin Anika Wells liegt die Schuld natürlich bei den Internetkonzernen. Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat und YouTube sollen sich vor Gericht verantworten, weil sie das Verbot angeblich nicht konsequent genug durchsetzen. Bis zu 109,2 Millionen australische Dollar Strafe stehen im Raum – umgerechnet rund 65 Millionen Euro. Die Verfahren sind zwar erst angekündigt, doch die Drohung ist eindeutig. Was die Regierung politisch nicht schafft, sollen die Konzerne mit noch mehr Kontrolle erzwingen.
Mehr Überwachung, mehr Kontrolle
Das hat Folgen für alle. Denn um einen 15-Jährigen auszusperren, müssen Facebook und Co. erst einmal herausfinden, wie alt die Nutzer tatsächlich sind. Ein falsches Geburtsdatum darf schließlich nicht genügen. Also wird geprüft, geschätzt und durchleuchtet. Je höher die angedrohten Strafen, desto größer der Druck, auch erwachsene Nutzer einer Altersprüfung zu unterziehen.
Meta setzt bereits künstliche Intelligenz ein, die Beiträge, Profile und andere Hinweise auswertet, um das Alter von Nutzern einzuschätzen. Hinzu kommen mögliche Gesichtsscans und andere Verfahren. Das Internet wird damit Stück für Stück zu einem Ort, an dem die Nutzer ihr Alter nachweisen oder von Algorithmen beurteilen lassen sollen. Von der einstigen Selbstverständlichkeit, sich ohne Identitätsprüfung im Netz zu bewegen, bleibt immer weniger übrig.
Die Internetkonzerne wehren sich
Und die Politiker haben sich dafür auch noch einen besonders bequemen Vorwand ausgesucht: den Schutz der Kinder. Wer möchte schon gegen Jugendschutz sein? Dass die Alterskontrollen weit über die eigentliche Zielgruppe hinausreichen können, wird dabei gern übersehen. Australiens Gesetz verlangt zwar keine allgemeine staatliche Digital-ID. Einen amtlichen Ausweis dürfen die Plattformen auch nicht als einzigen Altersnachweis vorschreiben. Doch Gesichtsanalyse und KI-Auswertung machen den Eingriff in die Privatsphäre kaum harmloser.
Inzwischen muss sich die australische Regierung auch vor dem High Court mit ihrem Verbotsgesetz auseinandersetzen. Reddit und die Bürgerrechtsinitiative Digital Freedom Project greifen die Regelungen an. Es geht dabei unter anderem um die verfassungsrechtlich geschützte politische Kommunikation. Schließlich diskutieren junge Menschen auf diesen Plattformen auch über Politik und gesellschaftliche Entwicklungen. Albaneses Regierung hat mit ihrem Verbot also eine Debatte über grundlegende Freiheitsrechte losgetreten.
Politiker wollen nicht daraus lernen
Trotz dieses Schlamassels finden sich in Europa bereits Nachahmer. Norwegen kündigte am 19. Oktober ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige an. In Deutschland werden ähnliche Beschränkungen diskutiert, einschließlich digitaler Altersprüfungen. Report24 warnte wiederholt davor, dass solche Maßnahmen unter dem Deckmantel des Jugendschutzes den Weg zur umfassenden Kontrolle der Internetnutzer ebnen können.
Australien führt vor, wohin dieser Verbotskurs führen kann. Millionen gesperrte Konten haben das Ziel der Regierung bislang weit verfehlt. Anstatt aus den eigenen Zahlen Konsequenzen zu ziehen, lässt Canberra die Muskeln spielen. Die Unternehmen sollen mehr kontrollieren, die Behörden bekommen zusätzliche Befugnisse und die Privatsphäre der Nutzer gerät weiter unter Druck. Trotz dieses Schlamassels finden sich in Europa bereits Nachahmer. Die Jugendlichen surfen munter weiter. Dafür sollen sich Erwachsene künftig womöglich noch umfassender digital kontrollieren lassen. Hauptsache, die Verbotsbürokraten müssen ihren politischen Irrweg nicht eingestehen.
Social-Media-Verbot: Millionenstrafen angedroht! Australiens Kontrollwahn eskaliert
