7. November 2026

Neuigkeiten NEWS

www.projekt-forum.org

Gasriese Katar will US-LNG – Deutschlands Gasstrategie unter Druck!

 

Selbst der Gasgigant Katar will sich zusätzliche Flüssiggaslieferungen aus den USA für den Weltmarkt sichern. Während Deutschland nach dem Abschied vom russischen Pipelinegas verstärkt auf LNG setzt, wächst der internationale Konkurrenzkampf um amerikanische Lieferkapazitäten. Dabei geht es längst auch um Gasmengen, die erst in einigen Jahren produziert werden sollen.

Der staatliche Energiekonzern QatarEnergy verhandelt mit dem amerikanischen Unternehmen NextDecade über den Kauf von jährlich bis zu zwei Millionen Tonnen Flüssiggas (LNG) für den globalen Vertrieb. Das berichtet Reuters unter Berufung auf zwei mit den Gesprächen vertraute Personen. Die Lieferungen sollen aus einer weiteren Produktionsanlage des Rio-Grande-LNG-Terminals in Texas stammen. Ausgerechnet einer der größten Gasexporteure der Welt greift damit nach zusätzlichen amerikanischen Lieferkapazitäten. Für Deutschland, das bei Flüssiggas stark von den USA abhängig ist, bedeutet das wachsende internationale Konkurrenz.

Katar sichert sich ab – Deutschland setzt auf den Weltmarkt

Katar verfügt selbst über gewaltige Erdgasreserven und baut seine LNG-Produktion weiter aus. Dennoch will der Golfstaat zusätzliche Lieferquellen in den USA erschließen. Ein Grund dafür sind die geopolitischen Risiken im Nahen Osten und mögliche Störungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Mit dem amerikanischen Konzern Cheniere Energy wurde bereits ein langfristiger Vertrag über jährlich vier Millionen Tonnen Flüssiggas abgeschlossen. Weitere Gespräche laufen mit Venture Global und Woodside Energy. Katar will seine internationalen Gasgeschäfte damit unabhängiger von den regionalen Exportwegen im Nahen Osten machen.

Wie begehrt amerikanisches Flüssiggas bereits ist, zeigt das Rio-Grande-Projekt. Die geplante Jahresproduktion von rund 30 Millionen Tonnen aus den ersten fünf Anlagen ist vertraglich vollständig vergeben. Nun reißen sich internationale Energiekonzerne um die Kapazitäten einer sechsten Anlage. Deren endgültige Investitionsentscheidung strebt NextDecade erst für die zweite Jahreshälfte 2027 an. Das kommerzielle Interesse übersteigt nach Unternehmensangaben bereits die geplante Produktionsmenge. Der Wettbewerb um künftige Gaslieferungen läuft also auf Hochtouren, noch bevor die zusätzliche Anlage gebaut wird.

Für Deutschland ist diese Entwicklung eine unangenehme Erinnerung an die Risiken der eigenen Energiepolitik. Nach Angaben der Bundesnetzagentur stammten 2025 rund 96 Prozent des über deutsche LNG-Terminals eingeführten Flüssiggases aus den USA. Insgesamt wurden über diese Terminals 106 Terawattstunden Erdgas importiert, was 10,3 Prozent der gesamten deutschen Gasimporte entsprach. Der Großteil des Erdgases kommt weiterhin über Pipelines, insbesondere aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. Doch beim Flüssiggas dominiert Amerika als Lieferant. Gleichzeitig ist mit dem Wegfall russischer Pipelinegaslieferungen ein früher bedeutender und zudem günstiger Beschaffungsweg verschwunden.

 

Gasriese Katar will US-LNG – Deutschlands Gasstrategie unter Druck!