Im Winter 1881 fand der Jäger Anton Keller in einer Senke der Fränkischen Alb eine Höhle, deren Eingang mit vier behauenen Eichenbalken und handgeschmiedeten Eisenklammern versiegelt war — und Stiefelspuren im Schnee, die nicht hinein, sondern entlang der Barriere liefen, als hätte jemand sichergestellt, dass nichts herauskam. Drei Wochen später brach er das Siegel mit Brechstange und Axt. Hinter den ersten sechs Metern gewöhnlicher Höhle wurde der Boden flach: 41 in den Fels gehauene Stufen führten hinab in eine bearbeitete Kammer mit glatten Wänden und einer Reihe eingravierter Zeichen. Der Staub auf dem Boden lag seit Jahrhunderten unberührt — doch die Schnitte an der Wand sahen frisch aus, und im Staub gab es keine Spur außer Kellers eigener.
Keller lief elf Kilometer zum Pfarrer Daniel Moosbauer, der alles in seinem Tagebuch festhielt — der längste Eintrag des Buches. In den Dörfern hieß es, im Winter 1879 habe eine kleine Soldateneinheit auf einem nahen Bergrücken eine „Vermessung“ durchgeführt. Im Militärarchiv München existiert über sie kein Marschbefehl, keine Anforderung, kein Bericht: eine Leere in einem System, das alles festhielt. Zwei Wochen nach Kellers Eindringen war die Höhle mit frischen Balken wieder versiegelt. Prof. Gerald Auer suchte sie in den 1980er Jahren vier Jahre lang vergeblich; seine Karte mit elf möglichen Felswänden liegt bis heute in einem Universitätsarchiv. Dasselbe Muster wie im Anthrazit des Wallis, in der Kupferader des Mansfelds, unter der Alb, hinter der Ostwand der Elbe, unter dem Schlossberg von Freiburg und in den Stollen des Mitterbergs.
