1. November 2026

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Millionengrab Wasserstoff: Heidelberg braucht wieder einen Diesel-Müllwagen

 

Fast 140 Millionen Euro hat der Bund für Müllfahrzeuge mit Elektro- und Wasserstoffantrieb ausgezahlt, davon knapp 96 Millionen allein für Wasserstofffahrzeuge. Bei mehr als jedem vierten untersuchten Müllwagen wurden erhebliche Stand- und Ausfallzeiten registriert. Zwölf Fahrzeuge waren sogar mindestens die Hälfte der erfassten Zeit außer Betrieb. In Heidelberg wird ein millionenteurer Wasserstoff-Müllwagen nun für weitere 240.000 Euro auf ein neues Diesel-Fahrgestell umgebaut.

Ein Wasserstoff-Müllwagen für mehr als eine Million Euro, fast 744.000 Euro Bundesförderung – und ein alter Reservewagen, der immer wieder einspringen muss, weil die teure Neuanschaffung streikt. In Heidelberg befindet sich die politisch motivierte grüne Verkehrswende mittlerweile im Rückwärtsgang. Allein 2025 war das Wasserstofffahrzeug an 179 von 220 erfassten Betriebstagen nicht einsatzbereit. Bis Anfang August 2026 kamen weitere 125 Ausfalltage bei insgesamt 148 erfassten Tagen hinzu. Nun hat die Stadt genug von der störanfälligen Technik und lässt den vorhandenen Müllsammelaufbau auf ein neues Diesel-Fahrgestell montieren. Kostenpunkt: weitere 240.000 Euro. Das bisherige Wasserstoff-Fahrgestell soll künftig als Ersatzteillager dienen.

Dabei klang das im März 2023 noch ganz anders. Damals feierte Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner die Einführung des Wasserstoff-Müllwagens mit den Worten: „Die Brennstoffzelle ist die Technik der Zukunft.“ Umweltbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain lobte das Fahrzeug als wichtigen Meilenstein bei der Dekarbonisierung des städtischen Fuhrparks. Heidelberg sollte beim Einsatz der Wasserstofftechnik eine Vorreiterrolle übernehmen. Drei Jahre später ist von diesen größenwahnsinnigen grünen Ambitionen wenig übrig. Der Haupt- und Finanzausschuss stimmte am 30. September der Bereitstellung von 240.000 Euro für den Umbau zu. Für einen vollständigen Neukauf wären laut Stadtverwaltung rund 426.000 Euro fällig geworden. Nun soll wenigstens der vorhandene Müllsammelaufbau weiterverwendet werden.

Fast 96 Millionen Euro allein für Wasserstoff-Müllwagen

Heidelberg ist nur eines von zahlreichen staatlich geförderten Experimenten mit alternativen Müllfahrzeugen. Eine aktuelle Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion zeigt, wie viel Geld seit 2020 geflossen ist. Insgesamt wurden 422 Abfallsammelfahrzeuge mit alternativen Antrieben bewilligt, darunter 165 mit Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb und 257 batterieelektrische Fahrzeuge. Für die Wasserstoff-Müllwagen bewilligte der Bund rund 96,25 Millionen Euro, für die Batteriefahrzeuge knapp 48,98 Millionen Euro. Tatsächlich ausgezahlt waren bis zum 14. Oktober 2026 insgesamt 139,44 Millionen Euro.

Rechnerisch entspricht das durchschnittlich rund 583.000 Euro bewilligter Förderung je Wasserstoff-Müllwagen. Bei den batterieelektrischen Fahrzeugen waren es rund 191.000 Euro. Für ein Wasserstofffahrzeug wurde damit im Durchschnitt mehr als das Dreifache an Bundeszuschüssen bewilligt. Und was haben die Steuerzahler für diese Summen bekommen? Eine Begleituntersuchung mit Angaben zu 217 Fahrzeugen ergab bei 57 Müllwagen Stand- und Ausfallzeiten von mindestens 20 Prozent. Zehn Fahrzeuge waren zwischen 50 und 70 Prozent der erfassten Zeit außer Betrieb, zwei weitere sogar noch häufiger. Die Bundesregierung fasst in dieser Statistik allerdings Batterie- und Wasserstofffahrzeuge zusammen.

Millionen verteilt und trotzdem unwissend

Die Bundesregierung finanzierte das Heidelberger Experiment mit fast 744.000 Euro. Von den massiven Ausfällen will sie allerdings nichts gewusst haben. Auf die entsprechende Frage der AfD-Abgeordneten antwortete sie mit einem einzigen Wort: „Nein.“ Dabei erklärte sie in derselben Bundestagsantwort, die Förderprogramme aktiv verfolgt, regelmäßig Rückmeldungen zum Fahrzeugstatus erhalten und eine umfangreiche Begleitforschung durchgeführt zu haben. Fast eine Dreiviertelmillion Euro für ein Fahrzeug zuschießen, dessen Betrieb wissenschaftlich begleiten lassen – und von dessen massiven Problemen nichts wissen. Wie gründlich wurde hier eigentlich kontrolliert?

Auch an den Werkstattkosten beteiligte sich der Bund nach eigener Auskunft nicht. Die zusätzlichen Belastungen bleiben bei den kommunalen Betreibern hängen. Denn Müll muss abgeholt werden, unabhängig davon, ob ein politisch gefördertes Sammelfahrzeug funktioniert oder wieder einmal in der Werkstatt steht. Ersatzfahrzeuge, Reparaturen und zusätzlicher organisatorischer Aufwand kosten ebenfalls Geld. Eine vollständige Aufstellung dieser Folgekosten liefert die Bundesregierung nicht. Stattdessen verweist sie auf wertvolle Erkenntnisse aus dem Betrieb der ersten Generation schwerer Wasserstoff-Nutzfahrzeuge. Schwierigkeiten bei Technik, Aufbau und Infrastruktur seien Teil der frühen Praxisphase gewesen.

Für die Kommunen ist dieser staatlich geförderte Lernprozess teuer. Die Müllabfuhr ist schließlich ein regulärer Versorgungsbetrieb und keine Versuchsanlage für unausgereifte Antriebstechnologien. Während die Steuergeld-Fördermittel aus Berlin die hohen Anschaffungskosten zumindest etwas abfedern, müssen die örtlichen Betriebe mit den praktischen Folgen zurechtkommen. Die Bundesregierung verbucht die Probleme als Erfahrungsschatz, die Städte benötigen funktionierende Müllwagen.

In Duisburg fehlte plötzlich die Tankstelle

Dass die Wasserstofftechnik im kommunalen Alltag Probleme bereitet, ist auch andernorts zu beobachten. Bereits im Dezember 2025 berichtete Report24 über die Wasserstoff-Müllwagen der Wirtschaftsbetriebe Duisburg. Dort verloren sieben Fahrzeuge ihre örtliche Betankungsmöglichkeit, weil die einzige öffentliche Wasserstofftankstelle der Stadt geschlossen wurde. Betreiber H2 Mobility begründete diesen Schritt mit mangelnder Auslastung und hohen Betriebskosten. Für die betroffenen Müllwagen bedeutete dies zusätzliche Tankfahrten nach Düsseldorf oder Herten. Die Wasserstoffversorgung der örtlichen Busflotte half ebenfalls nicht weiter, weil unterschiedliche Drucksysteme verwendet wurden. Die Busse tanken mit 350 Bar, die Müllfahrzeuge benötigen 700 Bar.

Auch beim Rhein-Neckar-Verkehr gab es Schwierigkeiten mit den neuen Antriebskonzepten. Im Januar 2026 berichtete Report24 über zahlreiche Ausfälle bei den Brennstoffzellen-Hybridbussen des Verkehrsunternehmens. Von insgesamt 48 Fahrzeugen war damals mehr als die Hälfte betroffen. Probleme mit Kompressoren, verschärft durch winterliche Temperaturen, beeinträchtigten den Betrieb. Dabei sollten ausgerechnet diese Busse die angeblich so tolle grüne Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs verkörpern. Stattdessen kämpften die Verkehrsbetriebe mit technischen Problemen und einer eingeschränkten Fahrzeugverfügbarkeit.

Zwei Jahre Förderbindung

Für den Heidelberger Wasserstoff-Müllwagen betrug die vorgeschriebene Zweckbindungsfrist gerade einmal zwei Jahre. Bei einem Nutzfahrzeug, dessen Anschaffung mehr als eine Million Euro kostete, ist das ein durchaus kurzer Zeitraum. Die Bundesregierung hält diese Frist bei Förderprogrammen für kommunale Unternehmen für üblich. Bei anderen Programmen für schwere Nutzfahrzeuge gelten dagegen vier Jahre.

In Heidelberg hat die Technik die Erwartungen der politisch Verantwortlichen jedenfalls gründlich enttäuscht. Über den Zeitraum von 2023 bis 2026 verzeichnete das Fahrzeug insgesamt rund 64 Prozent Standzeit. Im Jahr 2025 war es an mehr als 81 Prozent der erfassten Betriebstage nicht einsatzbereit. Nun muss die Stadt weitere 240.000 Euro für ein neues Diesel-Fahrgestell und die Montage des vorhandenen Müllsammelaufbaus bereitstellen. Anstatt Haushaltslöcher zu stopfen, werden im Namen der Klimareligion neue Löcher aufgerissen. Der deutsche Steuerzahler wird’s schon richten.

 

Millionengrab Wasserstoff: Heidelberg braucht wieder einen Diesel-Müllwagen