31. Oktober 2026

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Larry Johnson warnt vor möglichen US-Angriffen auf Iran und einem riskanten Einsatz auf Inseln

 

Ein möglicher neuer US-Angriff auf Iran, laufende diplomatische Kontakte und die militärischen Risiken eines Einsatzes im Persischen Golf stehen im Mittelpunkt des Gesprächs. Der frühere Geheimdienstmitarbeiter Larry Johnson und sein nicht namentlich ausgewiesener Gesprächspartner schildern ihre Einschätzungen und Informationen. Mehrere Aussagen beruhen nach ihrer eigenen Darstellung auf nicht unabhängig bestätigten Quellen.

Ein Briefwechsel und Irans Bedingungen

Der Moderator sagt, Donald Trump behaupte öffentlich, nicht mit Iran zu sprechen, während zugleich Kontakte liefen. Nach den Informationen, die er und Johnson erhalten hätten, habe Trump den damaligen US-Vizepräsidenten JD Vance gebeten, einen Brief an Mohsen Rezaei zu verfassen. Der Moderator bezeichnet Rezaei als einflussreiche Person in Iran. Der Brief habe angeboten, Verhandlungen wieder aufzunehmen und Iran aufgefordert, zuvor von den USA unterbreitete Bedingungen anzunehmen. Dazu zählte laut Moderator, die Strasse von Hormus bedingungslos wieder zu öffnen.

Der Moderator sagt, die iranische Antwort sei in Abstimmung mit der iranischen Führung erfolgt. Iran sei zu Gesprächen bereit, verlange aber zunächst die Rückgabe eingefrorener Gelder – zumindest eines Teils davon – sowie die Aufhebung der Seeblockade. Das solle als Zeichen des guten Willens dienen. Iran berufe sich dabei auf eine zuvor unterzeichnete Vereinbarung, an die sich die USA nach iranischer Darstellung nicht gehalten hätten. Der Moderator sagt, Iran habe wiederholt erklärt, nicht von dieser Vereinbarung abzurücken und sich nicht einschüchtern zu lassen.

Als weitere, bislang nicht bestätigte Information gibt der Moderator wieder, iranische Quellen hätten ihm berichtet, Iran habe eine MQ-Reaper-Drohne abgeschossen. Ausserdem habe Iran eine Spionagedrohne durch einen Eingriff in deren Software intakt zu Boden gebracht. Ihr Wert werde auf rund 55 Millionen Dollar geschätzt. Der Moderator betont, diese Angaben nicht selbst bestätigt zu haben.

Er berichtet zudem von diplomatischem Druck auf Trump durch den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, Katar und Pakistan. Diese hätten Trump laut den ihm vorliegenden Informationen davor gewarnt, ein Angriff könne einen grossen Krieg in der Golfregion auslösen und die Beziehungen zu den beteiligten Ländern dauerhaft beschädigen.

Mögliche Militärpläne und der Zeitpunkt eines Angriffs

Johnson sagt, Iran habe seine Erwartung nicht aufgegeben, dass die USA eine Vereinbarung einhalten, die im Juni in der Schweiz und in Frankreich unterzeichnet worden sei. Er widerspricht den Aussagen aus der Trump-Regierung, Irans Wirtschaft stehe kurz vor dem Zusammenbruch und die iranischen Streitkräfte seien vollständig geschwächt. Die von Iran angeblich heruntergebrachte Drohne zeige, dass es weiterhin militärische Fähigkeiten gebe, sagt Johnson; Iran könne das Gerät nun untersuchen.

Johnson vermutet, Trump werde vor den Zwischenwahlen am Dienstag keinen militärischen Schritt unternehmen. Ein Angriff könnte frühestens am Mittwoch erfolgen; wahrscheinlicher sei nach seiner Einschätzung der Freitag, wenn die Märkte geschlossen seien. So könne die Regierung zusätzliche wirtschaftliche Unruhe vermeiden. Johnson sagt, Trump habe Kandidatinnen und Kandidaten für den Kongress zugesichert, vor den Wahlen keine neue Militäroperation zu beginnen, weil diese ihre Wiederwahl gefährden könnte.

Als Hinweis auf mögliche Planungen nennt Johnson ein Treffen in Washington mit Admiral Brad Cooper, dem Kommandeur des US Central Command, und General Dan Caine, dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs. Johnson zufolge könnte Cooper Trump verschiedene Handlungsoptionen vorgestellt haben: Luftangriffe auf Ziele im Zusammenhang mit iranischen Marschflugkörpern, ballistischen Raketen und Drohnen; eine Kombination aus trägergestützten und landgestützten Luftangriffen; oder eine Besetzung von Inseln im Persischen Golf, darunter Kharg und Qeshm. Denkbar seien auch kombinierte Varianten. Johnson betont, der Präsident und nicht Caine erteile die Befehle an Cooper.

Johnson verweist ausserdem auf die Entlassung eines mit der Planung befassten Generals, den er als «General Sylvia» bezeichnet. Die Planung für einen möglichen Angriff sei beim Central Command angesiedelt. Dort würden sogenannte Handlungsoptionen mit klaren Zielen ausgearbeitet. Unklar bleibe, welche Option Trump wählen könnte.

Risiken einer Landungsoperation

Besonders gefährlich wäre nach Johnsons Einschätzung ein Einsatz von Bodentruppen auf den Inseln. Er vergleicht Kharg mit Iwo Jima und Qeshm mit Okinawa. Bei den Schlachten im Pazifik, so Johnson, hätten die USA für Iwo Jima rund 80’000 Marines eingesetzt, darunter 36’000 in der ersten Angriffswelle. Für Okinawa seien etwa 180’000 Soldaten und Marines verwendet worden. Im Gebiet stünden heute nach seiner Einschätzung höchstens rund 10’000 US-Soldaten oder Marines zur Verfügung.

Eine amphibische Landung wäre laut Johnson riskant, weil grosse Schiffe in der Strasse von Hormus angreifbar wären. Ein Lufttransport löse das Problem der Truppenzahl nicht: Eine C-130 könne mit Kampfausrüstung ungefähr 90 Soldaten oder Marines befördern. Johnson sagt, die Truppen wären auf den Inseln zudem Angriffen durch Drohnen und Raketen ausgesetzt; geeignete Schutzräume seien dort nicht vorbereitet. Kharg liege ausserdem in Reichweite iranischer Artillerie.

Zur Einordnung der Risiken erinnert Johnson an die hohen Verluste bei Iwo Jima: Er nennt rund 27’000 US-Verluste, darunter etwa 7’000 Tote und 20’000 Verwundete. Diese historischen Vergleiche nutzt er, um vor einer Unterschätzung der möglichen Belastungen eines Einsatzes zu warnen. Senator Chris Murphy habe die Pläne, soweit Johnson sie beschreibt, als «verrückt» bezeichnet.

Johnson hält es für sinnvoller, die iranischen Bedingungen anzunehmen, die Blockade aufzuheben und eingefrorene Gelder freizugeben. Danach könnten die Seiten über eine Deeskalation sprechen und später auch über die Urananreicherung. Als mögliches Ziel nennt er eine Rückkehr zu einer Vereinbarung nach dem Vorbild des JCPOA, verbunden mit Zusicherungen, dass Iran keine Atomwaffe baue. Er glaubt jedoch nicht, dass Trump diesen Weg wählen werde.

Berichte über Explosionen und die Zwischenwahlen

Johnson spricht auch von Meldungen über Explosionen an mehreren Orten, darunter Bandar-e Jask und Bandar Abbas. Einige dieser Berichte stammten nach seiner Darstellung aus israelischen Quellen. Er vermutet, damit könne ein Vorfall provoziert werden, der iranische Vergeltung auslöse und anschliessend einen US-amerikanischen oder israelischen Angriff rechtfertige. Zum Zeitpunkt der Aufnahme habe Iran nach seiner Darstellung nicht reagiert. Johnson sagt, er nehme eine solche Zurückhaltung als Hinweis, dass Iran den Vorfall nicht als Anlass für einen grossen Gegenschlag bewerte.

Was nach den Zwischenwahlen geschehe, hänge laut Johnson auch davon ab, wie stark die Republikaner verlören. Sollten die Demokraten mindestens 235 Sitze im Repräsentantenhaus und 55 Sitze im Senat erreichen, würde sich die politische Lage in Washington verändern. Johnson meint, eine deutliche Niederlage der Republikaner könne Trump zusätzlich davon abhalten, einen Krieg zu beginnen.

Er spricht zudem über die Möglichkeit, dass Militärangehörige einen Befehl verweigern könnten, wenn sie ihn für rechtswidrig hielten. Johnson sagt, Offiziere könnten einen solchen Befehl als verfassungswidrig einstufen. Nach den Zwischenwahlen könnten auch Beförderungen eine Rolle spielen: Höhere Ernennungen müssten vom Senat bestätigt werden, und Offiziere, die wissentlich einen rechtswidrigen Befehl ausführten, könnten dadurch ihre Laufbahn gefährden. Johnson nennt auch einen öffentlichen Rücktritt von Admiral Cooper als denkbare Möglichkeit, einen Angriff abzuwenden, hält ihn aber für unwahrscheinlich.

Auf die Frage nach der Wahrscheinlichkeit eines Angriffs nennt Johnson 70 Prozent. Er sagt, die Folgen könnten für die USA schwere Verluste bedeuten, darunter versenkte Schiffe und getötete Soldaten, Marines oder Seeleute. Der Moderator hält dagegen, Iran könne im Fall eines Angriffs die Öl-Infrastruktur der Golfstaaten zerstören. Johnson sieht das nicht als wahrscheinlich an, sofern diese Staaten nicht selbst am Angriff teilnähmen. Israel und Jordanien könnten dann die wichtigsten Ziele sein. Er warnt zugleich, die US-Regierung unterschätze möglicherweise Irans Fähigkeiten. Sollte Iran seine angekündigten Fähigkeiten tatsächlich einsetzen, könne dies laut Johnson Israels Überleben infrage stellen.

Iran und seine Partner

Der Moderator sagt, Iran habe in den vergangenen 24 Stunden bedeutende Unterstützung aus Russland erhalten. Diese umfasse nach seiner Quelle mehrere hundert Militärangehörige, Fachleute und Nachrichtendienstmitarbeitende; es seien mehr als 500, aber weniger als 700 Personen. Johnson sagt, Russland habe seine Unterstützung deutlich gemacht. Iran sei für Russlands geplanten Nord-Süd-Korridor wichtig. Auch China leiste nach Johnsons Einschätzung Unterstützung, unter anderem durch Nachrichtendienst- und Satelliteninformationen.

Johnson widerspricht der Vorstellung, Iran sei isoliert. Unterstützung durch Russland und China könne sowohl wirtschaftlicher als auch finanzieller Art sein. Er sagt, China ermögliche Iran über sein Bankensystem, finanzielle Bedürfnisse zu decken, ohne US-Banken oder andere vom Dollar-Sanktionssystem betroffene Banken zu nutzen. Die Annahme, Iran sei schwach und werde wirtschaftlich zusammenbrechen, sei deshalb aus seiner Sicht falsch.

Der Moderator berichtet von einem Treffen in Teheran in der Vorwoche. Der pakistanische Armeechef Asim Munir und der pakistanische Innenminister Mohsin Naqvi hätten dem iranischen Obersten Führer eine besondere Audienz erhalten. Mohsen Rezaei und der Parlamentspräsident Ghalibaf seien ebenfalls anwesend gewesen. Das Treffen habe etwas länger als eine Stunde gedauert. Der Moderator sagt, es widerlege Gerüchte, Pakistan und Iran entfernten sich voneinander. Bei einem weiteren Treffen mit Vertretern Saudi-Arabiens, der Türkei, Pakistans und Irans sei bekräftigt worden, Pakistan werde «Schulter an Schulter» mit Iran stehen, «komme, was wolle».

Pakistan bewege sich nach Darstellung des Moderators erkennbar aus dem Einflussbereich der USA heraus, wobei China über die Schritte informiert sei und sie unterstütze. Der Handel zwischen Pakistan und Iran habe laut Moderator wieder das Niveau vor der Grenzschliessung erreicht. Johnson ergänzt, Iran liefere Pakistan Gas, das das Land benötige.

Wirtschaftliche Folgen und politische Fehleinschätzungen

Johnson führt als Beispiel für die Folgen steigender Energiekosten ein amerikanisches Kreuzfahrtschiff an, dessen Passagiere dauerhaft an Bord leben wollten. Das Schiff habe in Kambodscha angelegt und die Passagiere nach drei Tagen aufgefordert auszusteigen, weil das Geld ausgegangen sei und möglicherweise ein Konkurs drohe. Der Betreiber habe pro Kabine monatlich 1’800 Dollar für Diesel eingeplant; tatsächlich koste Diesel inzwischen 8’000 Dollar pro Kabine. Johnson beschreibt das als einen Anstieg auf das Vierfache oder mehr gegenüber dem Niveau vom Februar.

Ein erneuter Angriff auf Iran könne die wirtschaftlichen Belastungen weltweit verschärfen, sagt Johnson, insbesondere in Asien, darunter Pakistan und Indien. Selbst wenn die USA Irans Bedingungen akzeptierten, werde es laut Johnson mindestens zwei Jahre dauern, bis sich der normale Fluss von Öl, Flüssigerdgas, Helium, Uran und Schwefel durch den Persischen Golf wiederherstelle; möglicherweise dauere es länger. Er bezeichnet die weltweite Wirtschaftskrise als bereits begonnen, auch wenn sie noch nicht offiziell ausgerufen worden sei.

Johnson erklärt die aus seiner Sicht fehlende Wahrnehmung solcher Risiken im Weissen Haus mit einer Fixierung auf eine falsche Annahme: Die USA seien stark genug, Iran wirtschaftlich und politisch zum Zusammenbruch zu bringen. Als Vergleich greift er erneut das Kreuzfahrtschiff auf. Eine Analyse der finanziellen Tragfähigkeit hätte, so Johnson, vor der Investition warnen können. Die Beteiligten hätten sich jedoch von der Vorstellung eines dauerhaften Zuhauses leiten lassen und Warnungen übersehen. Ähnlich würden in Washington andere Argumente abgetan, wenn sie nicht zum eigenen Narrativ passten. Der Moderator bezeichnet dies als Überheblichkeit.

Johnson sagt, die US-Regierung begründe ihr Vorgehen mit dem Schutz Israels vor der Islamischen Republik. Die Behauptung, Iran sei der wichtigste Förderer von Terrorismus, weist er zurück und sagt, auch Golfstaaten, insbesondere Saudi-Arabien, hätten radikale islamistische Gruppen finanziert. Er warnt, ein militärisches Scheitern könne Trump an die gescheiterte Operation Eagle Claw unter Präsident Jimmy Carter erinnern. Ein Scheitern auf iranischen Inseln könne für Trump ähnlich prägend werden.

Zum Schluss äussert Johnson die Sorge, Trump sei nicht durch Argumente umzustimmen. Der Moderator sagt, Trumps Sohn habe ihn gewarnt, der Krieg müsse beendet werden; danach habe Trump nicht mehr mit ihm gesprochen. Johnson spekuliert, Trump könne an einer Form von Demenz leiden, und meint, bei einer solchen Fixierung funktionierten Vernunft und Logik nicht mehr. Als mögliche Hoffnung nennt er einen Widerstand innerhalb der militärischen Befehlskette oder ein Einschreiten des Kongresses. Eine einfache Lösung sehe er nicht.

 

Larry Johnson warnt vor möglichen US-Angriffen auf Iran und einem riskanten Einsatz auf Inseln