Zwei Kirchenbücher, zwei Nachbardörfer und ein und dieselbe Hochzeit – doch die eingetragenen Daten liegen zehn Tage auseinander. Hat sich einer der Pfarrer geirrt? Keineswegs. Über Generationen hinweg lebten Menschen in Deutschland nach unterschiedlichen Kalendern. Was heute wie ein Fehler aussieht, kann ein entscheidender Schlüssel zur Vergangenheit sein.
Diese Dokumentation führt zurück zur Kalenderreform von 1582, als Papst Gregor XIII. den Gregorianischen Kalender einführte. Während katholische Territorien die neue Zeitrechnung übernahmen, hielten viele protestantische Länder am alten Julianischen Kalender fest. So entstanden mitten in Deutschland unterschiedliche Datumsangaben, verschobene Feiertage und Schwierigkeiten für Handel, Verwaltung und Familienforschung.
Sie erfahren, warum die Umstellung mehr als hundert Jahre auf sich warten ließ, wie der Augsburger Kalenderstreit die konfessionellen Spannungen verschärfte und weshalb Schweden sogar den 30. Februar 1712 kannte. Auch die Kalenderreformen in Großbritannien und Russland sowie die überraschenden Zusammenhänge zwischen alten Bauernregeln und der Verschiebung des Sonnenjahres werden beleuchtet.
Doch nicht nur der Kalender selbst sorgt in historischen Quellen für Verwirrung. Auch der Jahresanfang lag früher nicht überall am 1. Januar. Weihnachten, Mariä Verkündigung oder Ostern konnten bestimmen, wann ein neues Jahr begann. Für Ahnenforscher und Geschichtsinteressierte kann dieses Wissen den Unterschied zwischen einem vermeintlichen Widerspruch und einer korrekt verstandenen Quelle ausmachen.
