Am 13. Oktober fand im Deutschen Bundestag eine Veranstaltung zum Thema Impfschäden statt. Im Rahmen der Vorträge wurde überdeutlich, dass Deutschland hier nach wie vor auf der Stelle tritt. Ein Mediziner rief Betroffene dazu auf, mehr Druck auf die Krankenkassen und die Politik auszuüben – eine Mammutaufgabe angesichts der gesundheitlichen Probleme, unter denen sie leiden. Er sprach auch an, dass die Gesellschaft gegenüber Betroffenen nicht mehr mitleidsfähig sei. Die CDU-Politikerin Saskia Ludwig wies zudem darauf hin, dass Abgeordnete noch immer Ängste hätten, das Thema aufzugreifen.
Der folgende Artikel ist eine Übernahme vom Multipolar-Magazin:
Berlin. (multipolar) Harald Matthes, ärztlicher Leiter des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe in Berlin, rät Impfgeschädigten, gezielt Druck auf Krankenkassen und politische Entscheidungsträger auszuüben. Es sei geboten, Petitionen zu verfassen sowie Krankenkassen aufzusuchen und diese von der Einrichtung von Versorgungsambulanzen zu überzeugen, sagte er auf einer Veranstaltung, zu der die Bundestagsabgeordnete Saskia Ludwig (CDU) im Deutschen Bundestag eingeladen hatte. (13. Oktober) Matthes plädierte für den Aufbau eines Netzwerks mit Politikern aller Parteien sowie Ärzten. Ein wichtiger Adressat der Forderungen sei zudem der Gemeinsame Bundesausschuss. Dabei handelt es sich um ein vom Gesetzgeber beauftragtes Gremium, das Richtlinien für die Aufnahme von Leistungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen erlässt.
Matthes empfahl außerdem, politische Entscheidungsträger idealerweise „nicht per Brief“, sondern durch persönliches Erscheinen zu kontaktieren. Auch Filmaufnahmen, die zeigten, „wie es zu schlechtesten Zeiten“ ausgesehen habe, seien ein geeignetes Mittel, um Empathie wiederherzustellen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Gesellschaft „nicht mehr mitleidsfähig“ gegenüber den Geschädigten sei. Eine bildhafte Darstellung der Symptome sei auch vor Gericht und bei Gutachtern hilfreich. Die Beschreitung des Rechtswegs sei ohnehin schwierig, da es nur wenige Gutachter gebe und Richter sich zunächst kundig machen müssten.
Der Einladung zur Veranstaltung waren viele Impfgeschädigte gefolgt. Sie forderten rechtliche Anerkennung sowie medizinische Versorgung und artikulierten den Wunsch nach Solidarität. Es bestehe ein Bedarf an Spezialambulanzen sowie an Medikamenten, die außerhalb des zugelassenen Anwendungsbereichs benötigt, von den gesetzlichen Krankenkassen jedoch nicht bezahlt würden („Off-Label-Use“). Da viele Therapieangebote privat bezahlt werden müssten, sei zudem mehr Geld nötig. Die „paar hundert Euro“, welche Entschädigungsanträge, „die zu 95 Prozent abgelehnt werden“, den Betroffenen einbrächten, stellten keine Hilfe dar. Einige Teilnehmer der Veranstaltung machten darauf aufmerksam, dass damalige Entscheidungsträger wie die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müssten.
Die Abgeordnete Ludwig sagte mit Blick auf die Verantwortung für die Empfehlungen der Covid-Impfstoffe, es sei „mit großer Wahrscheinlichkeit“ erst im Zuge einer tatsächlichen Aufarbeitung der Corona-Zeit mit Konsequenzen zu rechnen. Sie verwies auf Untersuchungsausschüsse in den Bundesländern. Wichtig sei jedoch auch die „Vernetzung miteinander“, die noch „viel, viel stärker erfolgen“ müsse. Sie stellte zu diesem Zweck eine Folgeveranstaltung in Aussicht, die zusätzlich per Livestream übertragen werden soll. Ferner versprach Ludwig, sich im Bundestag für die Interessen der Geschädigten einzusetzen. Allerdings gebe es unter den Abgeordneten noch immer Ängste, das Thema anzusprechen, da dies den Ausschluss aus dem Diskurs zur Folge haben könnte.
Auch medizinisch sind nach wie vor viele Fragen offen. Matthes ging in einem Vortrag während der Veranstaltung detailliert auf einige Aspekte rund um das Post-Vac-Syndrom ein. Es fehle nach wie vor eine eindeutige Definition des Syndroms. Außerdem teilten sich Post-Covid und Post-Vac dasselbe Symptombild. Typisch seien unter anderem das Chronische Fatigue-Syndrom und die post-exertionelle Malaise: Betroffene seien nach Anstrengungen besonders geschwächt und müde und benötigten mehr Erholung. Verringerte Muskelkraft stelle ein weiteres Charakteristikum des Post-Covid- und Post-Vac-Syndroms dar. Den Geschädigten falle es mangels Energie besonders schwer, den Rechtsweg zu beschreiten und zu klagen.
Die Stiftung Unabhängige Patientenberatung Deutschland erklärt auf Multipolar-Anfrage, es sei wissenschaftlich umstritten, „ob es sich beim Post-Vac-Syndrom um ein eigenständiges Krankheitsbild handelt“. Die Stiftung hat den gesetzlichen Auftrag, eine „unabhängige, qualitätsgesicherte und kostenfreie“ Beratung von Patienten in gesundheitlichen und rechtlichen Fragen sicherzustellen. Auf der Startseite der Stiftungswebsite heißt es: „Wenn Sie auf dem Weg durchs Gesundheitssystem nicht weiterwissen, sind wir für Sie da.“
Gegenüber Multipolar verweist die Stiftung auf eine Stellungnahme des Paul-Ehrlich Instituts (PEI) vom Mai 2023. In dieser erklärt das für die Überwachung der Impfstoffsicherheit zuständige Institut, dass von den Covid-19-Impfungen „kein Risikosignal“ ausgehe. Die Stiftung ergänzt: „Die Möglichkeit eines Post-Vac-Syndroms mit allen zugehörigen offenen Fragen muss ernst genommen werden, stellt aber den Nutzen der Impfung nicht infrage.“ Eine Multipolar-Anfrage an den Sozialverband Deutschland, der sich laut eigenen Angaben im Gemeinsamen Bundesausschuss für eine „patientenorientierte medizinische Versorgung“ einsetzt, blieb unbeantwortet.
Impfschäden: Betroffene sollen Druck auf Politik und Krankenkassen ausüben
